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O ihr der Wirthe großes Glück, für uns ein Leid, Ein Fluch ihr für die Wirthſchaft und den Webeſtuhl.
Er ſchlachtet darauf wirklich das Kind und gönnt der bittenden Mutter nicht einmal des Kindes Blut, ſondern leert allein einen damit angefüllten Becher. Die ihres Säuglings beraubte Mutter verläßt nun eiligſt die Verſammlung, unter dem Vorwande, mit Kleiſthenes die Prytanen von dem Geſchehenen in Kenntniß zu ſetzen. Jetzt denkt Mneſilochus an den, für welchen er ſich allen dieſen Unannehmlichkeiten und Gefahren unterzogen und geht mit ſich zu Rathe, auf welche Art er ihm Kunde geben ſolle von der Noth, in der er ſich befindet. End⸗ lich erinnert er ſich an den Palamedes und will, wie Oeax in des Euripides Trauerſpiel Pala⸗ medes die Ruder, auf die er ſein Mißgeſchick und des Ulyſſes Verrath geſchrieben hat, ins Meer warf, um Nauplius, dem Vater des Ermordeten, Kunde zu geben, dem Euripides eine Bot⸗ ſchaft von ſeiner traurigen Lage ſenden, nimmt in Ermangelung der Ruder die Bildſäulen der Götter und wirft ſie aus dem Tempel hinaus. Der Chor der Frauen wendet ſich nun zur Parabaſe, in welcher ſie auf eine komiſche Weiſe die ihnen gemachten Vorwürfe von ſich abzu⸗ wälzen ſuchen, und vorzüglich das Wort 20 naud auf alle mögliche Art durchnehmen, mit dem Euripides in ſeinen Tragödien das ganze Weibervolk mehr als einmal beehrt hatte. Unter⸗ deſſen harrt Mneſilochus vergeblich auf einen günſtigen Erfolg ſeiner Botſchaft; ſie iſt zu un⸗ bedeutend und zu ſchlecht gewählt; da nimmt er zu einem andern Mittel ſeine Zuflucht; er ſtellt nämlich die Helena dar, und hofft, daß Euripides als Menelaos erſcheinen und ihn wie in jener Tragödie davonführen werde. Die hervorſtechendſten Verſe der Helena werden paro⸗ dirt und ſiehe da! Euripides nahet wirklich als Menelaos, und bietet alle ſeine Künſte auf, den Schwiegervater zu retten; allein vergebens, die Frauen bewachen ihn gar zu gut und unter⸗ brechen ſeine hohlen Tiraden durch höchſt triviale Bemerkungen. Euripides muß abziehen, ohne ſein Ziel erreicht zu haben; mit dieſer Angelruthe haſt du nichts gefiſcht, ruft ihm die eine der Frauen ſpottend nach. In dem Augenblicke kommt der Prytan herbei, begleitet von einer Skythiſchen Wache, welche die Athener als Polizeidiener gebrauchten, läßt den Alten feſſeln und an ein Klotz binden und befiehlt, jeden Herannahenden mit der Peitſche fortzujagen. Die Frauen führen nun einen von Geſang begleiteten Tanz auf, und ſenden Gebete zu allen Göttern; der Skythe aber hat ſeines Amtes Acht und behandelt den ächzenden Mneſilochus mit grauſamem Hohne. Plötzlich fliegt Euripides als Perſeus durch die Luft daher und deutet dem gefeſſelten Mneſilochus an, daß er die Rolle der Andromeda ſpielen ſolle. Doch alles iſt fruchtlos, Euripides verſucht als Echo den Skythen wegzulocken, und als Perſeus ſeiner mit Gewalt mächtig zu werden; allein alle Bemühungen ſcheitern an des klotzigen, phlegmatiſchen Skythen Entſchloſſenheit. Da ſieht ſich Euripides endlich gezwungen, das letzte Mittel zu er⸗ greifen, und ſucht mit den Frauen ſich in feierliche Unterhandlung einzulaſſen. Er verſpricht ihnen, daß er, falls ſie ihm ſeinen Verwandten frei geben, nie mehr Schmähungen gegen ſie ergehen laſſen werde, droht aber im entgegengeſetzten Falle, ihren Männern Kunde von Allem zu geben, was ſie hier im Stillen verüben. Die Frauen ſind zur Verſöhnung gern bereit,


