Aufsatz 
Über den Zweck von Aristophanes Thesmophoriazusen / Julius Zastra
Entstehung
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Stutzer, der hier wie eine recht plauderhafte Klatſchſchweſter erſcheint. Dieſer ſtürzt, von Eifer für die Frauen und von der Begierde ihnen zu nützen getrieben, herein mit den Worten: 574. fg. Ihr lieben Fraun, Verwandte meiner Sinnesart, Daß euer Freund ich, zeigen die Wangen ohne Bart.. Denn ich raſe fuͤr Weiber und bin ſtets zu eurem Dienſt. Und jetzt auch, da ich ſo eben eine wichtige Begebenheit, von der man auf dem Markte ſprach, Erfahren, komm' ich es euch zu ſagen und kund zu thun, Damit ihr ſeht und achtſam ſeid, auf daß euch nicht Ein ſchweres und großes Unglück treffe unverhofft.

Er entdeckt den Frauen, daß Euripides ſeinen alten Schwiegervater in den Thesmo⸗ phorientempel geſandt und ihn ſo viel als möglich zugeſtutzt habe, damit er nicht erkannt würde. Zwar ſucht nun Mneſilochus, dem jetzt das Mißliche ſeiner Lage klar zu werden beginnt, ihnen die Sache unglaubwürdig zu machen, allein da Kleiſthenes behauptet, es von wohl Unterrichte⸗ ten gehört zu haben, ſo beſchließen die Frauen, den Frevler aufzuſpüren, und erſuchen den Kleiſthenes, als ihren Gönner und Freund, um Beiſtand. Das Verhör beginnt, Mneſilochus ſucht es eine Zeitlang durch lächerliche und geſuchte Vorwände zu vermeiden, kann ſich ihm aber endlich doch nicht mehr entziehen. Schon mag den Frauen die Wahrſcheinlichkeit der Indenti⸗ tät des examinirten Weibes und des Alten vorſchweben, da erbietet ſich eine derſelben, ihn ihrer Meinung nach zu überführen, indem ſie ihn frägt, was ſie im vergangenen Jahre zur Feier des Feſtes zuerſt gethan hätten. Wir tranken, ſagt Mneſilochus nach kurzem Bedenken; das traf. Doch was darauf? Wir tranken einander zu. Das haſt du von Jemandem gehört, ruft die eraminirende Frau, und will ſogleich das dritte wiſſen. Dabei aber wird der einfältige Mneſilochus, der in ſeiner Angſt das erſte, was ihm am natürlichſten ſcheint, nennt, auf der Lüge ertappt, man faßt und bewacht ihn ſorgfältig, und während Kleiſthenes hinwegeilt, um die Sache den Prytanen zu verkünden, durchſuchen die Frauen das ganze Heiligthum, voll Be⸗ ſorgniß, daß der ſchon gefundene Mann nicht der einzige Verborgene ſei. Als ſie ſich aber überzeugt haben, daß kein anderer ihre Heimlichkeiten ſtören werde, entreißt Mneſilochus, der ſich der großten Gefahr Preis gegeben ſieht, der einen Frau, Mika genannt, ihr Kind, flieht mit dieſem, es als Unterpfand ſeiner Sicherheit emporhaltend, zum Altare, und droht es zu tödten, wenn man ihn nicht verſchone. Doch Alles iſt umſonſt, man häufet Holz um ihn, und will ihn verbrennen. Da bringt Mneſilochus ſeine Drohung in Erfüllung und ruft:

730 fg. Legt an, verbrennet; aber du zieh eiligſt aus

Das kretiſche Röckchen; deinen Tod, o Töchterchen, Gieb unter allen Frauen nur der Mutter Schuld! Doch was iſt das? zum Schlauche wird das Mägdelein, Mit Wein gefüllt, und Perſerſchuhe hats doch an.

Ihr weinerglühnden Weiber, ihr Vieltrinkenden,

Die ihr aus Allem zu trinken gar ſo gut verſteht,

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