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Allgemeiner Beifall ertönt dieſer Rednerin und ſogleich tritt eine andere Frau auf und läßt ſich folgendermaßen vernehmen 5 vv. 443 flgd. Um wenig Worte zu reden kam auch ich herbei, Denn alle andern Klagen brachte dieſe vor, Doch was ich ſelbſt erduldet, theil' ich jetzt euch mit. Mir ſtarb der Mann in Cypern und der Kinder funf Ließ er zurück, für die das tägliche Brod ich kaum Verdiente, Kränze flechtend auf dem Myrthenmarkt. Vorher nun nährt' ich mich, wenn auch mit knapper Noth. Doch jetzt hat dieſer Menſch in ſeinen Tragödien Die Männer überredet, Götter gäb' es nicht, So daß wir jetzt nicht mehr die Hälfte los. Darum ermahn' ich und beſchwör' euch alleſammt, Daß ihr um vieler Gründe willen den Menſchen ſtraft; Denn grobe Frevel thut er uns, ihr Frauen, an, Da er ſelbſt in groben Kräutern aufgewachſen iſt. Doch jetzt will auf den Markt ich gehn, denn zwanzig Stück Beſtellte Kränze muß ich den Männern flechten noch.*
Jetzt beginnt Mneſilochus den Euripides gegen die Anklage, welche die Frauen aus⸗ geſprochen, zu vertheidigen und eine günſtigere Stimmung gegen ihn hervorzubringen. Aber er vergreift ſich in der Wahl des Mittels; denn zwei Fälle waren nur möglich: entweder konnte er die Schmähungen des Euripides zu entſchuldigen ſuchen, was gewiß bei dem zum Vergeben ſo leicht geneigten weiblichen Herzen erfolgreich geweſen wäre, oder zeigen, daß die Ausfälle des Dichters nicht ungegründet ſeien. Dies letztere thut er, begnügt ſich aber nicht damit, ſondern bringt Dinge vor, gegen die alle von Euripides ausgegangenen Beſchuldigungen höchſt unbe⸗ deutend erſcheinen. Natürlich fängt er dabei von ſich ſelbſt an, legt ſich ſelbſt das ſchamloſeſte, von großer Verderbtheit der Sitten zeugende Benehmen bei, geht dann auf die Andern über, denen er die empörendſten Dinge ganz im Vertrauen ſagt, da ſie ja allein ſeien und kein Ver⸗ rätherohr lauſche, und ſchließt endlich mit der Frage, ob ſie wohl ein Recht hätten, auf Euri⸗ pides zu zürnen, da er doch keineswegs Schlimmeres von ihnen geſagt habe, als ſie vollbracht.
Die Frauen kommen nach Beendigung der Rede zuerſt vor Staunen über die uner⸗ hörte Keckheit der Sprechenden nicht zur Ueberlegung der einzelnen gegen ſie ergangenen Schmähungen; allmählig erſt wird es ihnen klar, wie höchſt unwürdig ſich jene Sprecherin be⸗ nommen habe, und die eine der Frauen will voll Erbitterung eine empfindliche Strafe an ihr vollziehen; aber je mehr die Frauen wüthen, deſto aufrichtiger wird Mneſilochus, und was er bisher nur angedeutet, das wirft er ihnen nun in den derbſten Worten entgegen; ein heftiger Kampf, in welchem die Frauen den Sieg davon zu tragen hoffen, droht zu entbrennen, wird aber aufgeſchoben durch den eiligſt herankommenden Kleiſthenes, einen wegen ſeiner übertriebe⸗ nen Weichlichkeit, die er auch in ſeinem Aeußern ſtets kund gab, oft derb verſpotteten atheniſchen


