Aufsatz 
Über den Zweck von Aristophanes Thesmophoriazusen / Julius Zastra
Entstehung
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Vielleicht würde er auch, ſein voreiliges Anerbieten bereuend, ſich anders beſinnen, allein ſchon hört man der Weiber Geſchrei, wovon der Tempel erdröhnt; Euripides mahnt zur Eile, ent⸗ fernt ſich und überläßt den bebenden Mneſilochus ſeinem Schickſal. Dieſer trollt ſich nun zum Tempel, um nicht zu ſpät zu kommen und übt ſich wahrſcheinlich in der vom Euripides ihm gerathenen feinen Weiberſtimme, indem er ſich zu der ihn begleitenden thraziſchen Sklavin wen⸗ det. Nach den üblichen Gebeten zur Demeter und Perſephaſſa, denen er noch einen leiſen Stoßſeufzer für ſein Verborgenbleiben hinzufügt, tritt er ins Heiligthum, nachdem er vorher die Sklavin zurückgeſchickt hat, welcher die heiligen Gebräuche mit anzuſehen nicht erlaubt war.

Im Tempel ſelbſt geht es höchſt feierlich zu; der Herold gebietet nach alter Sitte Schweigen und nennt alle die Gottheiten der Reihe nach, zu denen man um Heil und Segen für das Vaterland Athen und für der Frauen Beſtes insbeſondere flehen ſolle. Darauf ſpricht er im Namen Aller folgendes Gebet:

vv. 331 flgd. Nun flehet zu den Göttern den Olympiern Und zu den Olympierinnen, zu den Pythiern 8 und zu den Pythierinnen, zu den Deliern, 1 Zu den Delierinnen, und den andern Göttern auch: Wenn irgend Jemand einen böſen Rath erſinnt Dem Volk der Weiber, oder unterhandeln will Mit Euripides und den Medern zur Beſchädigung Der Weiber, oder nach der Herrſchaft ſtrebt und wer Den Tyrannen wieder zurückzuführen hilft, und wer Verräth, wenn eine ſich ein Kindlein unterſchiebt, Wenn eine Magd den Hausfreund an den Herrn verräth, Wenn ſie ausgeſchickt mit falſcher Botſchaft wiederkommt, und wenn ein Buhler hintergeht mit falſchem Wort und nicht erfüllet, was er einſt verſprochen hat, Oder wenn dem Buhler Geſchenke giebt ein altes Weib, Oder wenn für Geld ein Liebchen ihren Freund verräth, und wenn ein Schenkwirth oder Schenkwirthin an Quart und Kanne trügeriſch das rechte Maaß verfälſcht, So ſollen ſie verderben, und ihr ganzes Haus Verwünſchet, doch euch andern flehet Glück und Heil Für alle von den Göttern über euch herab.

Alle ſtimmen in dies Gebet ein und der Herold fordert nun mit der üblichen Formel diejeni⸗ gen, welche Vorträge zu halten geſonnen ſeien, auf hervorzutreten. Sogleich legt die eine der Frauen auf des Herolds Ermahnung den Kranz an und beſteigt die Rednerbühne, Folgen⸗ des ſprechend:

vv. 383 flgd. Nicht Sucht nach Ehre iſt es, bei den Göttern was Zu reden mich veranlaßt, nein, ihr Frauen, weil