Aufsatz 
Über den Zweck von Aristophanes Thesmophoriazusen / Julius Zastra
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Sache komiſch vorkommt, mit den Ausdrücken 50G und S0 6α2οιυ⁴ unterbricht. Euripides macht einem Streite, der ſich zwiſchen dem Diener des Agathon und Mneſilochus er⸗ hebt, ſchnell ein Ende dadurch, daß er jenen bittet, ihm den Agathon herauszurufen und da er fühlen mag, daß nun der entſcheidende Augenblick herangekommen ſei, ſo klagt er laut und bewegt den Mneſilochus zum Mitleid. Die Weiber werden nämlich an dieſem Tage zu ſeinem Verderben eine Berathung halten, weil er ſie in den Trauerſpielen ſchlecht macht; der Tragi⸗ ker Agathon iſt ſeine einzige Hoffnung; ihn will er bitten, daß er in Weiberkleidern ſich in die Verſammlung der Frauen begebe und dort für ihn das Wort nehme. Da läßt ſich Agathon plötzlich durch das Enkyklema herausdrehen und ſtimmt mit ſeinem im Innern des Hauſes verborgenen Chore einen gar weichlichen, ſüßlichen, unrhythmiſchen Geſang an, nach deſſen Beendigung Mne⸗ ſilochus eine Stelle aus des Aeſchylus Lykurgie parodirend ihn fragt, wie ſich ſeine weibliche Kleidung, mit allen andern Indicien, daß er ein Mann ſei, vertrüge, und zu ſeinem größten Erſtaunen erfährt, daß Agathon darum ſo ſich trüge, weil er meine, daß des Dichters Werke ein Analogon zu ſeiner Kleidung und ſeiner ganzen Lebensart ſeien. Euripides trägt dem Aga⸗ thon nun ſein Anliegen vor; er vermöge allein ihn würdig zu vertheidigen, denn er ſei in allem einem Weibe höchſt ähnlich. Agathon aber verweigert die Erfüllung der Bitte. Da geräth Eu⸗ ripides in Verzweiflung, denn ſein Untergang iſt nun gewiß. Aber Nneſilochus, ebenſo gut⸗ herzig als einfältig, tröſtet ihn und erbietet ſich zu jedem nur möglichen Dienſte, nicht ah⸗ nend, in welche unangenehmen Situationen er durch ſeine Dienſtfertigkeit gerathen wird. Zuerſt nun ſoll ihm der Bart abgeſchoren werden, Euripides will ſelbſt dies Ge⸗ ſchäft vollziehen und läßt ſich von Agathon ein Raſirmeſſer reichen. Die Operation, welche dem armen Mneſilochus Schmerz genug verurſachen mag, iſt vollendet, und es fehlt zur Aus⸗ führung des Planes nur an Weiberkleidern, welche Agathon bereitwillig hergiebt, ja ſogar als Kammerjungfer dem alten Mneſilochus Toilette machen hilft. Ein Safrankleid,(der⸗ gleichen trugen alſo wahrſcheinlich die Thesmophoriazuſen,) ein Mieder, ein Haaraufſatz, Man⸗ tel und Schuhe werden allmählig angelegt, und Euripides, froh der wohlgelungenen Liſt, macht ihn nur noch aufmerkſam darauf, daß er auch durch den feinen Ton der Stimme einer Frau ähnlich zu ſein ſich bemühen möge. Jetzt aber fällt es dem Mneſilochus aufs Herz, daß ja doch die Sache mißlingen und er ein Opfer ſeiner Freundſchaft und Verwandten⸗ liebe werden könne. Deshalb ſoll Euripides ihm ſchwören, daß er ihn in dieſem Falle mit allen ihm zu Gebote ſtehenden Künſten retten wolle. Er ſchwört beim Aether, der Wohnung des Zeus, mit einem Verſe aus ſeiner Menalippe, den Ariſtophanes mehr als einmal parodirt; damit iſt aber jener nicht zufrieden und Euripides leiſtet einen Eid bei allen Göttern, der ge⸗ wiß darum höchſt komiſch klingen mußte, da man in Athen allgemein den Euripides für einen Verächter der alten Götter hielt. Mneſilochus fängt faſt ſelbſt an, des Verwandten Wahrheits⸗ liebe zu bezweifeln und erinnert ihn an einen Vers aus deſſen Hippolyt.

Die Zunge ſchwors, doch frei vom Eide bleibt der Geiſt.