Sie bietet manchem Schüler die Anregung zu einem Lieblingsstudium, dessen Vorteil einmal in der Erweiterung des speziellen Wissens, dann aber auch in der geistigen Ver- tiefung und dem Ernste des wissenschaftlichen Strebens liegt.
Alle bisher erwähnten Bücher gehören dem Gebiete der belehrenden Schriften an. Es ist noch die Klasse der Unterhaltungs-Litteratur zu erwähnen. Die Zahl ihrer Pro- dukte ist sehr gross, nicht so die der wirklich brauchbaren. Ob sie nicht überhaupt dem Schüler vorzuenthalten seien, ist eine bis heute noch lebhaft erörterte Frage. Auf grund meiner Erfahrungen als Verwalter der hiesigen nicht unbedeutenden Schäler- Bibliothek stelle ich mich auf die Seite derer, die, wenn auch in mässigem Umfange und mit weiser Auswahl, doch die Unterhaltungslitteratur dem Schüler zugänglich machen wollen. Die Neigung zu solcher Lektüre ist leider oft grösser, als gut ist, und so sehr man dagegen eifert und davor warnt, die Schüler suchen und finden Gelegenheit, Leih- bibliotheken zu benutzen. Und das ist aus vielen Gründen sehr zu beklagen und ein grosser Nachteil für die Benutzer derselben. Die gewöhnliche Leihbibliotheks-Roman- litteratur eignet sich nach Form und Inhalt nicht für unsere Jugend, sondern verlockt und verleitet sie zu verkehrten Anschauungen und unerlaubten Genüssen, lenkt ihr Inter- esse von ernster geistiger Arbeit ab und übt endlich auch höchst ungünstigen Einfluss- auf ihr sittliches Wollen und Können aus. Während der Erwachsene in der Lage ist, selbst zu prüfen und das dem Standpunkt der Sittlichkeit nicht Entsprechende pei seite zu werfen, um nur das Bessere zu geniessen, wird der Jüngling, welcher einmal auf diese Pfade geraten ist, alles ohne Wahl lesen und sich bald dem verderblichen Einfluss des geheim wirkenden Giftes solcher Lektüre nicht mehr entziehen können. Mit Recht gilt es daher als unumstössliches Gesetz, dass einem Schüler die öffentlichen Leihbibliotheken wegen der grossen Zahl der für ihn ungeeigneten Bücher überhaupt verschlossen bleiben. Sehnt sich gleichwohl mancher Schüler, namentlich der in engeren Verhältnissen lebende, in denen ihm geistige Anregung durch Gespräch oder Belehrung wenig oder gar nicht zu teil wird, nach einer solchen Lektüre, und kann dieselbe ihm auch als Hilfsmittel für den Ausdruck in Wort und Schrift nicht unerhebliche Dienste leisten, so darf und soll die Schüler-Bibliothek helfend eintreten. Sie muss eine Auswahl von mustergiltigen Romanen enthalten, wenige, aber klassische Werke, die ein jeder Gebildete, so auch jeder Schüler mit Nutzen und Erfolg und ohne Schaden für sein geistiges und sittliches Wohl lesen wird. Zu solchen Werken rechne ich vor allem Romane von Freytag, Ebers, Dahn, Wichert, Boz, Cooper, Scott.
Es erübrigt nur noch von den Jugendschriften ein Wort zu reden. Die Gegen- wart ist damit überschwemmt, und man kann bei vielen dieser Erzeugnisse sich dem Glauben nicht verschliessen, dass es sich bei ihnen nur um ein Mittel des Erwerbes handelt, nicht um den höheren Zweck, der Jugend von dem Guten das Beste zu pieten. Vorsichtige Auswahl ist da geboten, wenn freilich auch bei der übergrossen Fülle nicht


