Die Trikolore im Winde wallt,
Und brausend die Marseillaise erschallt. Geschütze rasseln, der Hufschlag dröhnt,
Von stampfenden schritten der Boden stöhnt. Ein schillernder Drache mit gleißendem schein: so wälzt sich der Feind durch die Vorstadt hinein, Wo schweigend die Menge weicht der Gewalt, Ob grimmig auch manchem die Faust sich ballt. Da tönt ein Befehl. Eines Hauses Tor Besetzt eine Wache. Das Volk stürmt vor.
Ein gellender schrei, das schreckenswort:
„sie schleppen den Vater Haydn uns fort!“ Doch horch! Die Musik fällt rauschend ein, Wie erzgegossen stehen die Reih'n.
Und wonig durchzittert ein Lied die Luft,
Das Lied aus der„schöpfung“ voll Lenzesduft, Voll Lerchenwirbel und Rosenblüh'n:
„Nun beut die Flur das frische Grün.“
Wie schneeige Lenzesblüten vom Baum,
so sinkt in die seelen ein Friedenstraum
Auf Engelsschwingen so licht und so leis— Andächtige stille im weiten Kreis!
Am Fenster hoch über der wogenden schar steht Haydn umflossen von silberhaar,
schaut stumm in den goldenen Abendschein. Auch er lauscht Klängen, doch himmelsrein,
Er lauschet, entrückt dem Erdenstreit,
Dem Frühlingsliede der Ewigkeit,
Wo selig vereint im Friedensland
Die Menschen sich reichen die Bruderhand.
23


