Glockenklang und Drosselschlag, Hügel still an Hügel,
Drüber wiegt ein sommertag sich auf goldnem Flügel,
Dieselbe stimmung ungetrübten Friedens atmet das Gedicht „Der Garten des Todes“, wo der Tod den Dichter freundlich in seinen Garten zum seligen Reigen der Toten führt:
Mit stillen Augen grüßten sie.
Ich sah so reine Liebe nie
In einem Blick ihren süßen segen In eine andre seele legen.
Da küßte ich dem Tod die Hand.
Die Auffassung des Todes als eines gütigen Erbarmers bringt
Falke mit humorvollem Ernst in einem poetischen ZwiegeSPräch zwischen einem gestorbenen Dichter und dem Tod zum Ausdruck.
„Freund, wer schickte dich?“
Mich schickte keiner.„Und was suchst du hier?“ Nach Erdennot ein ruhiges Quartier,
Ein Flügelpaar und himmlisches Gewand,
Ein Tröpfchen Tau aus Gottes hohler Hand. „Hast du zu solchen Dingen auch ein Recht, Warst du auf Erden ein getreuer Knecht?“
Ich war Poet.„Und kommst zu Fuß hier an? Wo hast Du deine Flügel hingetan?“
Ich schämte mich, weil sie so sehr beschmutzt, Und ihre schönsten Federn arg gestutzt,
Weil durch das Fliegen nach dem Flitterkranz Des Menschenruhmes dunkel ward ihr Glanz.
„Und deinen Kranz 7, Ich hab ihn abgelegt, Daß man mit andern ihn zum Kehricht fegt, Und komm nun nackt und ohne Glorienschein. ö Da SPrach der Pförtner gütig:„Komm, tritt ein!“ Man könnte freilich denken, der Dichter Falke gewähre aus Kollegialität dem Poeten im Jenseits eine Ausnahmebehandlung, aber bei Falke ist auch sonst der Tod der„gütige“ Herr!
Auch bei der Dichterin Lulu von strauß und Torney, die in der Ballade manch glücklichen Wurf getan, ist der Tod eine Macht, die mit allumfassender Liebe die Menschen verklärt und beseligt.
XIX


