Doch tritt bei dieser Dichterin das soziale Moment, welches auch die Kunst der Gegenwart beherrscht, stärker in den Vordergrund als das bei Gustav Falke der Fall ist.
Reife.
Zwei der goldnen Pforten hat das große Land der seligen Ewigkeiten. durch eine, wegbestaubt und wandermatt, ziehn jene Tausende aus allen Weiten, um deren Haar der Kranz des Lebens hing, und deren Fuß durch alle Tiefen ging, die seelen, die in Kämpfen sich befreiten. Und durch des anderen Tores Bogen schreiten sie, deren Hand kein volles Los empfing, sie, denen nie in ihren Erdenzeiten die stirn ein Zweig vom Baum des Lebens streift, die armen seelen, die der schatten reift, die des Entbehrens strenge Hände weihten. sie ziehen stumm mit feierlichem schritt. Das Tor steht offen.
schweigend ziehst du mit.
Und über Kampf und Lust und sehnsucht breiten sich läuternd einer sonne seligkeiten!
Hier tönt kein Aufschrei der sich gegen die unerbittliche Not— wendigkeit aufbäumenden Lebenslust, keine Klage voll bitteren Ent⸗ sagungsschmerzes; auch nicht stumme Resignation, die keine weitere Frage kennt oder wagt, durchzittert diese Verse oder ein skeptisches: rig νιey et νσν νν ρκεν νντνανανν, σ νατνανανν E ν½;(Euripides). Eine positive Aufgabe ist dem Tode zugewiesen wie in der symphonischen Dichtung des Komponisten Richard strauß:„Tod und Verklärung.“ Wenn auch das Gedicht keinen SPeziellen religiösen Charakter trägt, so faßt die Dichterin den Tod doch auf als die notwendige Ueber⸗ gangsform zu einer höheren Lebensstufe. Empfangen und Verzichten, Genießen und Entsagen, Kämpfen und Dulden, alles findet durch den Tod seine Weihe und Vollendung. Daß gerade das Gegensatz⸗ paar„Kämpfen und Dulden“ gewählt ist, kennzeichnet die Frau, deren Los öfter als beim Manne Entsagen und Verzichten ist.
Zu der Auffassung des Todes als einer den Menschen läutern⸗ den Macht tritt noch der Gedanke sittlicher Verantwortung hinzu
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