Und fern sah ich durchs Aehrenwehn Auch einen stillen schnitter gehn;
Trug weißes Kleid, zog querfeldein, Kam grad den Dichtersteig herein.
Kein Gras am Grunde bog sein Fuß, Er ging vorüber ohne Gruß.
Und war wie sichelklingen doch.... Ein Weilchen noch— ein Weilchen noch!
Kein trotziges sichauflehnen gegen die eiserne Notwendigkeit, keine Reaktion überschäumenden Lebensgefühls ruft hier der Gedanke an den Tod wach, nur ein stilles sichbescheiden, ohne Erbitterung und ohne Pessimismus; nur ein leiser, wehmütiger Akkord erklingt auf des Dichters Harfe. Doch welch wundervolles stimmungsbild hat Geißler geschaffen: Der sonnenlichte steg durch das reifende Korn und das windverwehte Mohnblatt! sicherlich ist Geißlers Art gemütvoller Naturbetrachtung echter deutsch als Hofmannsthals an Baudelaire gemahnende Manier. 00
In seiner durchaus lyrischen Anlage Geißler verwandt, nur herber, männlicher, wortkarger erscheint Martin Greif. Ihn einer bestimmten Richtung zuweisen wäre bedenklich, da er ein Lyriker von ausgeSProchener Eigenart und darum inkommensurabel ist. Noch mehr als Geißler liebt Greif gedämpfte Töne und Farben, so auch, wenn die Todesahnung seiner seele naht.
Wunsch am Abend. sturm gestillt zu leisem Hauch, Welch ein Abendfrieden!
Wär' einst meinem Leben auch solch ein End' beschieden!
Die Friedenssehnsucht ist es, die so ergreifend aus diesen Versen SPricht; kein Wunsch darüber hinaus! Der stille Abendhauch nach dem Toben des sturmes erweckt im Dichter dieses schlichte Gefühl. Mit einfacheren, ungesuchteren Worten könnte es nicht zum Ausdruck gebracht werden als Greif es getan, der wie kaum ein zweiter den stimmungsgehalt in fast epigrammatischer Prägnanz zu konzentrieren weiß. Welch ein Gegensatz zu Hofmannsthal!
Die bisher beSProchenen Dichter berühren sich in dem einen Punkte, daß der Blick nicht über den Tod hinausgerichtet wird ins
XIII


