Aufsatz 
"Tod und Sterben" in der modernen Lyrik : eine literarische Studie mit einer Beigabe eigener Gedichte / von Bonifaz Rauch
Entstehung
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unentdeckte Land, von dessen Mark kein Wanderer wiederkehrt (shakeSPeare, Hamlet). Es findet sich unter den modernen Lyrikern aber eine Anzahl, welche auch die metaphysische seite des Problems ins Auge faßt und dieses teils in pantheistischem teils in mehr oder minder christlich gefärbtem sinne zu lösen sucht. Nur vorübergehende Erwähnung mag hier zweier Dichterinnen geschehen, der Alberta von Puttkammer und Agnes Miegel, bei deren ersterer der Gedanke an den Tod erotische Gefühle auslöst(Wie ich sterben möchte), während bei Agnes Miegel patriotische Empfindungen wachgerufen werden, etwas auffallend bei einer Frau, wenn wir nicht im Zeit⸗ alter der Frauenbewegung lebten. Uebrigens hat Agnes Miegel im slerbesegen ein stimmungsbild von eigenartig herber schönheit geschaffen, indem sie das alte Motiv von der Ruhelosigkeit des Toten, der fern von der Heimat bestattet wird, wenn ihn nicht eine Hand⸗ voll heimischer Erde deckt, verbindet mit dem Motive von der An⸗ teilnahme des Toten an den Geschicken des Vaterlandes, von welchen der aufs Grab geschüttete sand des heimatlichen Bodens dem Ver⸗ storbenen Kunde bringt. Indes eine solche Auffassung bleibt eine singuläre Erscheinung und ist nur als poetisches Motiv verständlich. Wenden wir uns zu jenen Dichtern, bei denen die Vorstellung von dem Leben nach dem Tode pantheistischen Charakter trägt!

Als einen Zwitterzustand zwischen bewußtem und unbewußtem sein scheint sich Hugo salus das Leben nach dem Tode zu denken.

Acherontische sizilianen.

Als wir nun niederstiegen an den strand, dran wellenlos die stygischen Wasser rinnen, wir saßen nieder in den bleichen sand

und zogen fröstelnd enger unsre Linnen; wir sehn uns an, vom Zweifel übermannt, und können uns doch nimmermehr besinnen: soll nun an dieses strandes schmalem Rand Das Träumen enden oder erst beginnen?

* Nun gleiten wir schon ungezählte Jahre und sehn noch endlos sich die Wasser breiten.

Von Charons Ruder in die dunkelklare, bewegte Flut sehn wir die Tropfen gleiten,

XIV