Aufsatz 
"Tod und Sterben" in der modernen Lyrik : eine literarische Studie mit einer Beigabe eigener Gedichte / von Bonifaz Rauch
Entstehung
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Wie wunderbare Blumen waren da,

Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,

Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen

In warmen strömen drang und glomm. Das Ganze War angefüllt mit einem tiefen schwellen schwermütiger Musik. Und dieses wußt' ich, Obgleich ich's nicht begreife, doch ich wußt' es:

Das ist der Tod. Der ist Musik geworden, Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,

Verwandt der tiefsten schwermut.

Aber seltsam!

Ein namenloses Heimweh weinte lautlos

In meiner seele nach dem Leben, weinte

Wie einer weint, wenn er auf großem seeschiff Mit gelben Riesensegeln gegen Abend

Auf dunkelblauem Wasser an der stadt,

Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht er Die Gassen, hört die Brunnen rauschen, riecht Den Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber Ein Kind am Ufer stehn, mit Kindesaugen, Die ängstlich sind und weinen wollen, sieht Durchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer Das große seeschiff aber trägt ihn weiter, Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitend

Mit gelben fremdgeformten Riesensegeln.

Eine Dichtung voll exotischer Farbenpracht, voll gedämpfter, sinnberauschender Melodie! Der Künstler schwelgt in Farben, Tönen, Düften; die SPezifischen sinneseindrücke verschwimmen ineinander (Dunkelglühende Musik). Ein metaphysisches Bedürfnis ist nicht vorhanden, auch der Tod wird zum traumhaften FarbenSPiel, das um seiner selbst willen ergötzt, dessen narkotische Wirkung aber wohl berechnet ist auf die Eigenart einer übersättigten Kulturwelt.

In mancher Hinsicht, wenigstens was die Form anbelangt, mit Hofmannsthal verwandt erscheint der katholische Dichter Lorenz Krapp, den jedoch die religiöse Ueberzeugung vor einem Versinken im Aesthetentum bewahrt hat. Auch er liebt die satten, Zün Farben und den schweren, schimmernden Brokat der

orm.