Aufsatz 
"Tod und Sterben" in der modernen Lyrik : eine literarische Studie mit einer Beigabe eigener Gedichte / von Bonifaz Rauch
Entstehung
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Mit allen Fasern hängt auch ein anderer unter den neueren Lyrikern am Leben und seinen Freuden: Detlev von Lilieneron. Aus seinen Gedichten glüht die Farbenpracht der Natur, strahlt das buntbewegte Leben in seiner Fülle.Am farbigen Abglanz haben wir das Leben, dies Wort aus Göthes Faust ist seine Devise. Doch auch bei ihm reckt sich bisweilen das graue GeSPenst des Todes in der Ferne.

Acherontisches Frösteln.

schon nascht der star die rote Vogelbeere,

zum Erntekranz juchheiten schrill die Geigen,

und warte nur, bald nimmt der Herbst die schere und schneidet sich die Blätter von den Zweigen. Dann ängstet in den Wäldern eine Leere,

durch kahle Aeste wird ein Fluß sich zeigen‚

der schläfrig an mein Ufer schickt die Fähre,

die mich hinüberholt ins kalte schweigen.

Das Bild des Herbstes, virtuos gemalt mit der Technik des Impressionismus, ruft den Gedanken wach an den Herbst des Lebens. Ungezwungen vermittelt der Fluß, der durch kahle Aeste schimmert, den Gedanken an den Nachen des Totenfergen. Den Dichter fröstelt bei dem Gedanken an das kalte schweigen, er hat des Lebens Früh ling und sommer heißt geliebt.

Noch deutlicher äußert sich dies Grauen in des Dichters schwa nensang. Abschied vom Leben.

Und nun das herbe Abschiednehmenmüssen! Vorbei wie zögernd gleiten in Gedanken

Die wenigen stunden, die ins Herz mir sanken

Mit reinen seligkeiten und Genüssen.

Gönnt mir den letzten Trunk aus diesen schalen, Eh' ich hinab muß in die grauen Gründe! O gönnt ihn mir als letzte meiner Qualen!

Es offenbart sich in diesen Versen ein starkes Gefühl des Un⸗ befriedigtseins vom Leben und seinen Genüssen. Ja, der letzte Trunk aus dem Becher der Lebensgenüsse erscheint dem Dichter als die letzte seiner Qualen. Da ist der schritt nicht weit den Tod als Arzt zu fassen, der Heilung bringt vom Fieberbrand des Lebens.

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