Aufsatz 
"Tod und Sterben" in der modernen Lyrik : eine literarische Studie mit einer Beigabe eigener Gedichte / von Bonifaz Rauch
Entstehung
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Eine ähnliche Auffassung wie bei Gottfried Keller, nur ge messener, ernster im Ton, zeigt sich bei dem sänger der Mark, Theodor Fontane. Die Frage nach dem, was jenseits des Todes liegt, lehnt er ab.

Halte dich still, halte dich stumm,

Nur nicht forschen: warum? warum? Nur nicht bittre Fragen tauschen, Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen. Wie's dich auch aufzuhorchen treibt,

Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

Den Tod fürchtet er nicht; er, der Meister der Ballade, schildert ihn als den grimmen Jäger:

Ich kenn' einen Jäger, man heißt ihnTod; seine Wang' ist blaß, sein SPeer ist rot,

sein Forst ist die Welt, er zieht auf die Pirsch Und jaget Elen und Edelhirsch.

Doch wenn dem Dichter auch graut vor demRüden dieses Jägers, vor Gram, Krankheit und Not, vor derMeute, die stück weis das Leben zerfetzt und zögernd uns in die Grube hetzt, der Gedanke an den Tod soll uns nicht den Genuß des Lebens vergällen, sondern ihn erhöhen.

memento.

1. Geliebte, willst du doppelt leben, so sei des Todes gern gedenk, Und nimm, was dir die Götter geben, Tagtäglich hin wie ein Geschenk.

2. Mach dich vertraut mit dem Gedanken, Daß doch das Letzte kommen muß, Und statt in Trübsinn hin zu kranken, Wird dir das Dasein zum Genuß.

3. Du magst nicht länger mehr vergeuden Die SPanne Zeit in eitlem Haß, Du freust dich reiner deiner Freuden Und sorgst nicht mehr um dies und das. 4. Du setztest an die rechte stelle Das Hohe, Göttliche der Zeit, Und jede stunde wird dir Quelle Gesteigert neuer Dankbarkeit.

VIII