Mein Trinklied.
Noch eine stunde, dann ist Nacht; trinkt, bis die seele überläuft,
Wein her, trinkt! seht doch, wie rot die sonne lacht, Die dort in ihrem Blut ersäuft; Glas hoch, singt! singt mir das Lied vom Tode und vom Leben, djagloni gleia glühlala! Klingklang, seht: schon welken die Reben. Aber sie haben uns Trauben gegeben!
Hei!—
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Noch eine stunde, dann ist Nacht; wächst übern strom ein Brückenjoch, hoch, o hoch.
Ein Reiter kommt, die Brücke kracht; saht ihr den schwarzen Reiter noch? Dreimal hoch!
singt mir das Lied vom Tode und vom Leben, ö djagloni, scherben, klirrlala! Klingklang: neues Glas! Trinkt! wir schweben über dem Leben, an dem wir kleben!
Hoch!—
Nicht eben heitre Anmut atmen diese Verse. In titanischem Trotze bäumt sich das Lebensgefühl auf angesichts des Unvermeid— lichen; in berauschendem sinnengenuß gilt es die Lust des Lebens zu kosten. Und wie der stimmung des Gedichtes die Harmonie fehlt, so gleicht auch die Form einem taumelnden Reigentanz. Welch ein Gegensatz zu Keller auch in der dichterischen Versinnbildlichung des Todes! Dort eines Falters letztes Flügelwehn, hier der schwarze Reiter, der über die krachende Brücke donnert. Fast wie Jronie klingt der schluß bei Dehmel:„Wir schweben über dem Leben, an dem wir kleben.“ Die Grundanschauung ist schließlich bei beiden dieselbe, aber die abgeklärte Ruhe und das seelische Gleichgewicht Kellers ist dem Führer der modernen Lyrik verloren gegangen.
VII


