redtſamkeit ſei. Wie der Mediciner die Natur des Körpers, ſo müſſe der Redner die der Seele kennen lernen, aber nicht blos die Seele, ſondern Alles, mit dem die Seele im Zuſammenhange ſteht, rir 105 610v guger. Dieſen nicht ſehr klaren Ausdruck hat S. vielleicht aus dem Werke des Hippokrates angeführt:⸗ wenigſtens ſcheint dies der Freund der Aerzte, Ph., mit ſeinem l u“ Tamoxgäre x. r. f. anzudeuten und auch S. ſcherz⸗ haftes„oος τ Tuνοοατειν οeν dνν eEerdtoyra dxoms?“ deutet wohl darauf hin, daß er den Ph. nur zu einer Aeußernng ſeiner Beleſenheit verleiten wollte. Spottend ſtellt er im Anfange des cap. 55 wohl auch dem Hip⸗ pokrates die wahre Vernunft gegenüber. Ueber die Natur des„Ganzen“ läßt er ſich dann nicht weiter aus und verräth vielleicht auch dadurch, daß es ihm mit der Erwähnung des roë 670 göcts nur ein Scherz geweſen i*ſt; ſondern er ſchiebt ſtatt des roë 6Ao das ürovos“ ein und weiſt dann auf die frühere Betrachtung zurück, daß die Erkenntniß des Weſens jedes Dinges anf der daclescig und cvyaywyh beruhe. Das örtory, auf wel⸗ ches es aber in der Redekunſt ankomme, ſei die wwxtj. Darum müſſe der Lehrer der Rhetorik einmal die Seele ſchauen lehren, ob ſie ein Einiges oder ein Vielgeſtaltiges ſei; ſodann müſſe er zeigen, worauf ſie ihrer Natur nach wirke und von wem ſie Wirkungen erfahre; zuletzt müſſe er die Arten der Reden und der Seele durch⸗ gehen und nun die einzelnen mit einander vergleichen, um darzulegen, welche Seele von welcher Art der Rede und aus welchem Grunde ſich überreden laſſe. Spottend ſagt er natürlich im Folgenden, die bisherigen Lehrer der Redekunſt verheim lichten, daß ſie ſich auf die Seele gar trefflich verſtäuden. Die Frage des Ph. rla 1odroy; beweiſt, daß er dem S. nicht recht hat folgen können und zwingt dieſen, das, was er einzeln deducirt hat, zuſammenfaſſend im folgenden cap. zu wiederholen.
cap. 56—58. Dieſe Anforderungen an die Rhetorik, ſo zuſammengefaßt, imponiren dem Ph. ge⸗ waltig und er bricht in die etwas einfältigen Worte aus: α⁴⁵⁴ᷣτιοι σπφμμιικεαν νε uterao Erο, mit denen er eingeſteht, daß er von dem Umfange der Redekunſt keine Idee gehabt habe.„Du haſt Recht— ſagt S.— darum müſſen wir aber auch genau unterſuchen, ob es nicht einen kürzeren Weg zum Ziele giebt.“ S. neckt dann den Ph. mit den Worten el 1lra nf Soiειαμν ετεα ν. 1. f.„nun ſieh einmal zu, ob dir dein Freund Ly⸗ ſias unter die Arme greifen kann.“ Aber Ph. wagt ſich bereits nicht mehr mit einem Einwurfe hervor und antwortet deshalb mit der komiſchen Wendung:*νμν⁄õFκν, dad o?«x 2*. Doch dem S. liegt daran, an einem berühmten Beiſpiele die Unhaltbarkeit der ſophiſtiſchen Rhetorik darzulegen, ſeine bereits früher deducirten Sätze auf ein ſolches Beiſpiel anzuwenden. Er characteriſirt ſein Beiſpiel von vorn herein, wenn er ſagt, man dürfe ja auch die Vertheidigung des böſen Wolfes hören, und macht damit den Ph. um ſo aufmerkſamer. Er beginnt dann mit einem„aot und ſetzt, ohne den Namen des Tiſias zu nennen, auf den er hinaus will, den Hauptſatz der Rhetoren von dem Schlage des Tiſias noch einmal auseinander. Ph. in ſeiner Antwort ſagt ſich jetzt be⸗ reits los von ſeinen früheren Führern, inſofern er ſie die rexruro? aοε‿νοsero nennt. Nun erwähnt S. des Tiſias mit einem kleinen Scherze über Ph., wie ihn der Ausdruck ewcärnxag bietet„Du biſt ja die Pfade des Tiſias hin und her gewandelt.“ Das treffende Beiſpiel aus Tiſias beweiſt nun freilich, daß dieſer kein ſchlech⸗ ter Advocat war; aber es enthält doch den Grundregeln des S. gegenüber nichts als einen Advocatenkniff und dioſen macht S. hauptſächlich durch das Wort dervdg in qei, deονας νέ Soννναν. 1.. und durch den Ge⸗ genſatz des Gπτιοανκνραωρμρμνένν und dνεέμνοσετ lächerlich:„in gewaltig treffender Weiſe ſcheint er einen verborgenen Kniff aufgedeckt zu haben.“ Dieſe Worte, wie auch das folgende 66,˙εκν ταᷣομι ⁶νοιναμάόανυιυινο perſifliren den Tiſias als einen eingebildeten Mann und das cap. 58 beweiſt, daß grade dies Beiſpiel die Lehre der Rheto⸗ riker in ihrer Flachheit hinſtellt, daß die Vorausſetzung der Kenntniß des a.* ανο und des elzöc eben die des äan9ec und des ö ſein muß. Mit 1atra de—„αeνuurtlas weiſt S. auf ſeine letzte Forderung an einen Red⸗ ner, auf die uezery zurück, und ſtellt dann den Zweck der Redekunſt in ſeiner Reinheit hin, wenn er ſagt, der verſtändige Redner habe nicht die Menſchen mit ihren Fehlern, ſondern die Gebote der Götter d. i. die Wahr⸗ heit im Auge. Die Worte os„de dr, doo àꝗTta—„yyöueva weiſen dann auf das im Anfange des 57. cap Geſagte: gaoꝛd,— ne0ißaAoyoug zurück, welche Behauptung hier ihre Widerlegung findet. Verſtändig und von ſeiner Seite natürlich iſt der Einwurf des Ph.: elmeo olöc 1é zic eln: S. tröſtet ihn mit dem Hauptſatze der Moral: das Streben nach dem Guten kennzeichnet den guten Menſchen.


