Aufsatz 
Commentar zu Plato's Phaedrus / Carl Schmelzer
Entstehung
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cap. 59 63. Der Gedankengang des vorliegenden Abſchnittes möchte nicht ganz leicht zu be⸗ ſtimmen ſein. Am Schluſſe des vorigen cap. ſtellt S. der exyn und drexrla 10φ*νέωαι die edtεεια und anοε eaα εαμρσα νεσι gegenüber und ſagt, daß ihm noch übrig bleibe, über dieſe letztere zu ſprechen, zu ſagen, unter welchen Umſtänden man in richtiger, unter welchen in unrechter Weiſe ſchreibe. In der erſten Frage des 59. cap. wiederholt er dann das 16ν*οααιο und deutet dadurch an, daß wir zu dem obigen 7α‿ou*ειν ein 6y hinzuzudenken haben. Ueber die Kunſt der Rede iſt Genügendes geſagt worden; jetzt haben wir noch zu ſprechen darüber, unter welchen Umſtänden dieſe Kunſt der Reden geziemend angewendet werden kann, unter welchen Umſtänden man Reden in geziemender Weiſe aufſchreiben dürfe. Dies letztere ſcheint mir das Thema der nächſten Betrachtung zu ſein. S. characteriſirt nun zuerſt dasooeer im Allgemeinen durch die Erzählung von dem Erfinder der Schriftzeichen und kommt zu dem Schluſſe: oëxour riung-*osc. Die Schriftzeichen helfen nicht dem Gedächtniß, ſondern der Erinnerung. Was heißt das? Es heißt, meine ich, nach der folgen⸗ den Auseinanderſetzung: das geſchriebene Wort hat nur eine Bedeutung für den, welcher über die Sache, welche es behandelt, Klarheit mitbringt; es kaun dieſe in ihm ruhende Klarheit wecken und dieſelbe wieder in's Leben rufen, ihn alſo daran erinnern. Wo Jemand dieſe Klarheit nicht mitbringt, kann ihm das geſchriebene Wort nicht antworten auf Fragen, die er in ſeiner Unklarheit ſtellen muß. Das geſprochene Wort iſt deshalb beſſer weil es ſich ſelber helfen, weil es jeden Einwurf ſofort beſeitigen kann. Die oαot iſt darum eine dndenic, ſobald ſie irgend etwas vorbringt, wobei der Leſer eine Frage ſtellen muß. Eine eimeente dagegen iſt ſie ein⸗ mal, wenn Jemand etwas aufgezeichnet hat, um ſich ſpäter an das klar Durchſchaute zu erinnern, oder aber, wenn das geſchriebene Wort dem geſprochenen gleichkommt dadurch, daß es eine Frage unmöglich macht. Dies thut es aber, wenn der Schreibende dialectiſch gebildet iſt d. h. wenn er verſteht, einen Gegenſtand bis zum Aeußerſten in ſeine Theile zu zerlegen und die Theile wieder zu einem Ganzen zuſammenzufaſſen.

In Bezug auf die Darſtellung wäre etwa Folgendes zu bemerken: Die Erzählung von den Erfindungen des ägyptiſchen Theuth iſt in dem einfachſten Stile gehalten, der von den langen Perioden der vorigen cap. ſtark abſticht. Sie iſt gehalten wie die Erzählung eines Mährchens. Eine Art komiſcher Wirkung läßt ſich ihr inſofern nicht abſprechen, als S., nachdem er in weitem Umfange die gelehrten Bücher ſeiner Zeitgenoſſen citirt hat, jetzt eine Sage aus uralter Zeit, von einem fabelhaften Gotte und einem fabelhaften Könige, aus dem Wunderlande Aegypten anführt. Hervorzuheben wäre vielleicht noch, daß der Grieche S. den Gott Theuth aus der griechiſchen Colonie Naucratis ſtammen läßt. Abſichtlich läßt S. ferner die Worte rexrexcrare, rexein, zexeus anklingen, ſowie weiter unten ν laς d6 8⁴αm, döEoud und dεσπια. Der ſcherzhafte Gegenſatz zwiſchen d05- ogot und o, zwiſchen Sophiſten und Weiſen, veranlaßt dann den Einwurf des Ph., der ſeine Ueberraſchung über die ganz neue Erzählung des S. ausdrückt und ihm von S. den folgenden Vorwurf einträgt, deſſen Be⸗ rechtigung Ph. willig anerkennt. Weiterhin verhält ſich dann Ph. durchaus zuſtimmend gegenüber den fortge⸗ ſetzten Folgerungen des S. Das 62. und 63. cap. faſſen dann Alles noch einmal zuſammen, was S. von cap. 39 an deducirt hat.

cap. 64. Das meαςαον im Anfange des 64. cap. iſt natürlich gemeint, wie das frühere aαιμαρ nalgewy d. h. es bedeutet nicht:wir haben genug geſcherzt, ſondern:wir haben genugſam das Reden beſpro⸗ chen und zwar malcovrec, mit heiterer Miene. S. deutet damit zurück auf die Jronie, welche er ſo vielfach gegen Ph. angewendet hat und ſagt dieſem gewiſſermaßen damit:ſei nicht böſe, wenn ich mir mit dir hier und da einen Scherz erlaubt habe. Schließlich ſucht dann S. nach einem Namen für den wahren Dialectiker und erlaubt ſich dabei noch einmal einen kleinen Scherz über Lyſias, inſofern er dieſen neben Homer und Solon als den Vertreter einer Gattung von Schriftſtellern nennt. Die wahren Dialectiker will er dann nicht mehr guyyeagete oder ouνad oder»ouoreεᷣρνo genannt wiſſen, ſondern ihnen einen gemeinſamen Namen beilegen, den Ehrennamen 916091. In dem Lobe, welches ſodann dem Jſokrates ertheilt wird, fpricht Plato zugleich ein Lob des S. aus; denn erſterer war ein Lieblingsſchüler des alten Weiſen In dem kurzen ſchönen Gebete zu⸗ letzt ſtellt S. den wahren Reichthum des Weiſen gegenüber dem 0*ν‿ nαννοs, nach welchem die Sophiſten jagten. Der ironiſche S. verräth ſich noch einmal in der letzten Wendung des Gebetes: 1 d? xναοασ πνʃνο in uo⁴ν Ʒdον τ gfoeer uire dyter dralum würde der gewöhnliche Menſch beten; ſtatt deſſen fällt S. in die ſchöne Wendung: diraτƷ ⁵lος Gααφσοσνν...