Aufsatz 
Commentar zu Plato's Phaedrus / Carl Schmelzer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

man dort eben bemüht war, die Wahrheit in der knappſten Form ohne alles kunſtgerechte Beiwerk auszuſpre⸗ chen. Der Satz würde ohne das dren 1 eben die vorhergehenden Worte bekräftigen und heißen:dar⸗ auf hinaus kommen z. B. die 16 der Lakedämonier.

Ph. verſteht den S. und ſagt deshalb:Nun dann führe einmal ſolche 40 ν vor. Mit dem aodrαν aber hat Ph. ein Bild angedeutet; denn das Verbum iſt der techniſche Ausdruck für dasvorbeimarſchiren laſſen. Darum greift es S. mit dem mdgers aufſo marſchirt denn auf. Die Seeanera verala aber ſiud nur ein bildlicher Ausdruck für moyreg oder ⸗ociGyrec 16y, und es ſind damit Sätze des Ph. gemeint, auf welche dieſer zu ſchwören pflegt mit den Sophiſten; es ſind damit die beiden Sätze gemeint: uαναςσα μεέν παυο eO? rdc dtaac dnunyoolas und d edνν οετο ⁴ρμν ddixor. Ph. aber iſt von S. ein auraus, ein Va⸗ ter ſchöner Kinder, genannt worden, weil dieſe Sätze ihm, dem Schüler der Sophiſten, geläufig ſind, wie er ja cap. 44 den einen ſelber anführt, dem andern aber ohne Zögern zuſtimmt.So marſchirt denn auf, ihr braven Kinderchen, und helft euren Vater Ph. überzeugen, daß meine Behauptungen richtig ſind d. h. ſo kommt denn, ihr Sätze des Ph. und der Sophiſten, damit ich euch widerlege. In ſeiner Widerlegung dieſer Sätze flicht übrigens S. noch einmal einen Vers ein, welcher den Erklärern entgangen zu ſein ſcheint: rise do*ε Crroĩαν*ρσάόσέιαασααι. 261, E. Der Gedankengang der Widerlegung aber iſt ſo klar, daß er keiner näheren Darlegung bedarf.

cap. 45. Die vorigen beiden cap. hindurch war Ph. faſt nicht zu Worte gekommen: einen Wider⸗ ſpruch hatte er nicht mehr anbringen können, nur einige zuſtimmende Formeln waren ihm geſtattet. Darum nimmt er jetzt die Frage des S., ob er an den heute gehaltenen Reden die Wahrheit der eben aufgeſtellten Sätze prüfen wolle, mit ſehr ſtarker Beiſtimmung auf; denn er meint, er werde jetzt doch auch einmal wieder zu Worte kommen. Aber S. merkt wohl, worauf er hinaus will und antwortet darum wieder etwas ironiſch. Denn eine ſolche kleine Ironie enthält wohl die Antwort des S. Einmal nämlich läßt er in dieſer die Rede des Lyſias bei Seite und ſpricht nur von 16 z6, ², die als treffliches Beiſpiel dienen könnten. Die Rede des Lyſias mit ihrem Gedankengewirr iſt ſelbſt als Beiſpiel kaum zu gebrauchen: wenigſtens laſſen ſich an ihr nur Fehler conſtatiren, wie die folgenden cap. dies thun: die des S. dagegen beweifen, adc dy&ldd ⁴2α|ι rodg dxouovrag. Dieſe Worte enthalten, wenigſtens dem Ph. gegenüber, eine Art Selbſtlob. Daher die nächſte ironiſche Bemerkung des S.:ad Eyye*. 1.. Mit dieſen Worten ſpielt er zugleich auf das oben cap. 40 u. 41. erwähnteeoac der Muſen an.Denn ſagt er von den Muſen muß mir das eingegeben wor⸗ den ſein, was ich geſagt habe; da ich ja den Sophiſten zugeſtehen muß, daß ich von der Redekunſt nichts verſtehe.. Endlich kommt denn der gute Ph. mit der Rede ſeines Meiſters zu Worte; aber kaum hat er begonnen, da ſchneidet ihm S. das Wort wieder ab. Und doch hatte Ph. diesmal ſeine Rede wohl ſchon in ganz ande⸗ rem Tone herzuſagen begonnen, als das erſte Mal.

cap. 46 enthält ein Muſter von ſokratiſcher Beweisführung. Worauf S. hinaus will, hat er in ſeinen letzten Worten im vorigen cap. klar ausgeſprochen. Jetzt beginnt er ſeine Beweisführung nicht mit einer näheren Betrachtung der Worte des Lyſias, ſondern mit einem allgemeinen Satze. Dieſer Satz hat durch das 10 rolοι, welches auf die Worte des Lyſias zurückzuweiſen ſcheint, etwas Unklares und zwingt dadurch den Ph. zu dem Geſtändniſſe, daß er ihn nicht verſtanden habe oder, wie ſich Ph. behutſam ausdrückt, daß er ihn nur beinahe verſtanden habe. S. ſetzt nun, ohne Widerſpruch zu erfahren, ſeinem Freunde auseinander, daß es zweierlei Begriffe gebe, die eine Art, in Bezug auf welche die Menſchen übereinſtimmen, die andere, in Be⸗ zug auf welche keine Uebereinſtimmung ſtattfindet; daß ſodann die Redekunſt am meiſten wirken könne in Bezug auf letztere; daß ferner der Redner zuerſt dieſe beiden Arten von Begriffen auseinander halten müſſe. Die Frage des S., welcher von beiden Arten der Begriffe der Eros zuzuzählen ſei, veranlaßt den Ph. zu einer et⸗ was unmuthigen Antwort, deren Sinn iſt:So ganz und gar, wie du meinſt, bin ich denn doch kein Knabe! Vorzüglich geantwortet! ſagt S. lachend und nachdem er ſo die Prämiſſen zugeſtanden erhalten hat, die ihm