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alſo dieſen goͤttlichen ²⸗) Beſchluß vor der That wußte, ſo ſtand es ihm vollkommen frei, dieſelbe zu begehen oder zu unterlaſſen und es herrſcht hier eben ſo wenig ein Fatum, wie bei dem Apfelbiß im Paradieſe. Laius be⸗ geht die That, und glaubt dann durch Ausſetzung des Kindes allen angedro⸗ heten Folgen ſich ſchlau entzogen zu haben. Aber ſie treffen ihn mit Recht und ganz unfehlbar; denn die Gottheit kann ihrer nicht ſpotten laſſen. Durch Aufhebung der Strafe wuͤrde zugleich alle Gottesfurcht aufgehoben ⸗3), wie man dieſes recht augenſcheinlich an der unglaͤubigen Jokaſte ſieht(O. T. 857, 946, 953).
Wenn nun aber nach den goͤttlichen Geſetzen die angadroßete Strafe ein⸗ treten muß, ſo muß eben dadurch Oedipus Vatermoͤrder werden. Aber es iſt hieran nicht die Gottheit, ſondern ſein Vater Schuld: es iſt kein Fatum d. h. keine ewige, unbedingte Vorherbeſtimmung, ſondern es iſt die unab— wendbare Folge der vaͤterlichen Gottesvergeſſenheit. Sophokles konnte hier nicht anders dichten, wenn er nicht die ganze Anlage der ihm gegebenen,
allbekannten Fabel zerſtoͤren wollte ⸗4). Aber er hat dennoch in der Nothwendigkeit die menſchliche Freiheit zu retten geſucht: er hat den Oedipus nicht zu einem ganz blinden Werkzeug
25) Ueberall ſind auch in dieſen Tragoͤdien die Goͤtter die alleinigen Lenker der menſch⸗ lichen Schickſale(O. T. 1311. O. K. 3904, 998, 1443, 1626, 1694), vor Allen Zeus und in ſeinem Namen Apoll(vgl. O. T. 904 und 909; 470, 1329, O. K. 623 und daſelbſt Reiſig. O. K. 1085, 1460, 1485, 1505.).— O. K. 1222 iſt Mο Todesgoͤttin; ſonſt kommt ſie in dieſen Stuͤcken nur appellativiſch vor, als die von den Goͤttern herruͤhrende Schickung O. K 1450 und 1451. So wird die O. T. 7¹³ ſpäter O. K. 964 den Goͤttern zugeſchrieben und die 86„ „ Ts ‿σνν O. K. 421 als abhaͤngig von den Goͤttern angeſehen.
23) dies ſagt ausdruͤcklich der Chor O. T. 896— 910 6g6e, a Heia. Vgl. den Scholiaſten zu V. 907.
24) Ariſtoteles XIV, fo: T8„„ aassahaing- nuðhes Auen dx τ. MAο de ckey ri Kura‿νqᷣτ‿οeν dmnαεεςςναeν πι ν☚ OHlors§ 13 nennt er auch den ſophokleiſchen Oedipus)— a⁴ry de esolxs des, va] res Tasade- de³ενοις Xe*³σαα¶ αϋα. Die großartige religioͤfe Anſicht des Sophokles ſpricht ſich erſt im Oedipus zu Kolonos aus, wo der Dichter von keinem mythiſchen Stoſſe beſchraͤnkt ganz er ſelbſt iſt.


