Aufsatz 
Ueber die Idee des Sophokles von der göttlichen Vorsehung : erste Abhandlung / von J. C. W. Steiner
Entstehung
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Umſtaͤnde draͤngen; den Aegiſthus langſam und uͤberlegt: bei Aeſchylus Alles umgekehrt und dadurch graͤßlicher.

Die menſchliche Freiheit iſt alſo in dieſer Tragoͤdie keinesweges durch den Willen eines Gottes aufgehoben, ſondern beide ſind in Einklang, weil beide das Rechte wollen. Eine Moira, wie ſie in den Choephoren des Aeſchy⸗ lus 17) als hoͤchſte Macht neben Zeus waltet, findet ſich bei Sophokles nicht. Zeus erſcheint in dem ganzen Stuͤcke als oberſter, gerechter Lenker der Men⸗ ſchenſchickſale(162, 174, 209, 823, 1063), und Apollo iſt, wie in andern Tragoͤdien, als ſein Organ 18) anzuſehen.

verjuͤndige Du nie mit Hochmuthsworten an den Goͤttern dich, Noch ſchoͤpf ein leeres Prahlen, wenn vor Manchen du An Kraͤften vorragſt, oder durch der Schätze Flut. Denn nieder beuget ſtets der Tag, und hebt empor Jedwede Menſchenwerke ¹⁹); doch Verſtändige Liebt nur die Gottheit, aber haßt die Thoren ſtets. Worte der Athene V. 132.

Klytaͤmneſtra und Aegiſthus ſind die einzigen Boͤſewichter in den Trago⸗ dien des Sophokles. Ariſtoteles verwirft ſolche Charaktere, weil wir bei ihrem

17) Bluͤmner S. 57. Bei Aeſchylus nennt auch Klytämneſtra die Moira ihrer That

Miturheberin, bei Sophokles die Dike(Choeph. Qο ed. Schuetz., Electra 528).

180 A15 oHms Aeſch. Eum. 19. vgl. O. K. 623, O. T. 151. Daher ſagt auch Oreſtes 1264:

Du ſahſt mich, weil mich Goͤtter trieben herzunahn.

19) Dieſe Vergaͤnglichkeit alles Irdiſchen iſt in vielen Tragoͤdien ruͤhrend ſchoͤn geſchil⸗

dert. Nur Scheinbilder ſind wir Menſchen und leere Schatten(Ai. 126, O. T.

1187 vgl. die Fragmente); ſelbſt im Gluͤcke haben wir immer das Ungluͤck zu