Ele kira,
So ſey bereitet immerdar zur Strafe dem,
Der uͤber Ordnung und Geſetz zu handeln denkt,
Der Tod!— der Bosheit waͤre dann wohl weniger. V. 1503.
In dieſer Tragoͤdie waltet ſtrenge die goͤttliche Gerechtigkeit(Dike: 476, 1441 vgl. 1382); denn ein ſchweres Verbrechen iſt begangen. Klytaͤmneſtra hat in Verbindung mit ihrem Buhlen Aegiſthus den Agamemnon, ihren Ge⸗ mahl, ermordet. 12) Die Beſtrafung beider uͤbernehmen die Kinder des Er⸗ mordeten. Elektra iſt die Seele des Stuͤckes und uͤberhaupt einer der kraͤftig⸗ ſten und conſequenteſten Charaktere im Sophokles, ſtark, feurig und unwan— delbar im Haß wie in der Liebe. 13) Ihr ganzes Leben geht in den Einen Gedanken auf: nach Kindespflicht den Vater an ſeinen Moͤrdern zu raͤchen. Fuͤr dieſen Zweck hat ſie ihren unmuͤndigen Bruder Oreſtes gerettet, und mit einem ihr gleichgeſinnten Erzieher in die Fremde entſandt.(321, 1133. 12, 603, 1350). Nur die Hoffnung, daß er dereinſt als Naͤcher zuruͤckkehren werde, hat ihr das kummer⸗ und ſchmachvolle Daſeyn ertraͤglich gemacht (323, 811), und als ſie jene Hoffnung auf immer verſchwunden glaubt, faßt ſie den maͤnnlichen Entſchluß, mit eigener Hand den Aegiſthus zu morden.
2) Bei Aeſchylus iſt der Schmerz um die geopferte Iphigenia die Triebfeder ihres Handelns.(S. Wilhelm von Humboldt in der Einleitung zu Aeſchylus Agamemnon Seite VII.) Auch bei Sophokles will ſie jene Opferung als Urſache geltend machen(532); aber Elektra widerlegt ſie und erklärt fuͤr das wahre Motiv zu jenem Morde ihr ehebrecheriſches Zuſammenleben mit dem Aegiſth(562). Damit ſtimmt auch der Chor uͤberein V. 197. 1
13)„Die moraliſche Groͤße beſtand bei den alten Griechen in einer eben ſo unveränder⸗ „lichen Liebe gegen ſeine Freunde, als unwandelbarem Haſſe gegen ſeine Feinde.“ G Leſſing im Laokoon 1y, 3.


