Aufsatz 
Über das Wesen der Tragödie / [Karl] Rossel
Entstehung
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lenbrechung der Idee, jener vielgeſtaltigen Beweglichkeit und Unregelmaͤßigkeit der Sprache, was alles hinwiederum bei Shakspeare auf ſeinem Standpunkt und zu ſeinem Zwecke unerlaͤßlich erſcheint.

3. Schiller.

Gerade zwei Jahrhunderte nach jener unvergleichlichen Bluͤthe des engli⸗ ſchen Dramas durch EShakspeare treten auch in Deutſchland die herrlichſten Fruͤchte tragiſcher Poeſie durch Goͤthe und Schiller hervor. Es kann hier, wo es ſich um die Auffaſſung des Weſens der Tragoͤdie handelt, auch nur in dieſer Beziehung von dem Einfluß die Rede ſein, den der eine oder andere auf die Modifizirung der fruͤheren Anſichten ausuͤbte. Wenn ich mich aber bei der Entwickelung der Idee des Tragiſchen bloß auf Schiller einlaſſe, ſo hat dies ſeinen Grund darin, daß in'ihm gerade, wie es auch nach Hoffmeiſters geiſtrei⸗ cher Darſtellung(Schillers Leben u. ſ. w. I S. 312 ff.) ſich herausſtellt, das eigen⸗ thuͤmliche Moment der neueren Tragoͤdie am glaͤnzendſten und vollſten hervor⸗ getreten zu ſein ſcheint. Er iſt offenbar auch in dieſer Hinſicht unter den modernen Dichtern der modernſte. Wie die griechiſche Tragoͤdie die Heroenzeit, wie Shakspeare den ganzen Reichthum des Mittelalters, mit gleicher Sicherheit hat Schiller die Stoffe der neueren Zeit dem tragiſchen Genius geoͤffnet und ihr naͤheres Verhaͤltniß zu uns mit feſter Hand ergriffen. Er iſt auch von dieſer Seite des Stoffs der eigentlich moderne Dichter; die Epochen, die es hier zu behandeln gab, entbehrten den Farbenton einer abgeſchiedenen Welt, auf die Shakspeare zuruͤckblicken durfte; ſie entbehrten als Zeiten geiſtiger Kultur die Reize des Phantaſielebens und zwangen den Dichter zu dem Ideenwerk, auf das ſich die Ausſtellungen an Schiller hauptſaͤchlich beziehen.

Worin nun aber dieſer Charakter des Tragiſchen nach Schillers Auf⸗ faſſung liege, wird ſich nicht ſchwer nachweiſen laſſen.

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Die Griechen, aus deren Haͤnden wir das Drama erhalten haben, waren in ihrem geiſtigen Blick nur auf einen kleinen Fleck der Erde beſchraͤnkt, und es lag keine große Vorzeit vor ihren Augen, in welche ſie ihre Bildung häͤtten verfolgen koͤnnen. Uus Neueren dagegen gehoͤren die Ideen der Weltgeſchichte, der Ent⸗ wickelung der Menſchheit von den fruͤheſten Zeiten des menſchlichen Geſchlechts an bis auf den heutigen Tag. Wenn nun der moderne Dichter ſeinen Helden im Dienſte irgend einer Idee, die im Kampfe mit den bisherigen Formen der Geſellſchaft ſich Geltung zu verſchaffen ſucht, auf dieſem Schauplatz geiſtiger Fortbildung auftreten laͤßt, fuͤhrt er ihn dann nicht einem Feind entgegen, der 3