5 οανσν τεο. Iſt hier von einem Beſſern oder Reinigen die Rede? Keineswegs; nicht beſſern ſoll der Dichter, wenigſtens nicht zunaͤchſt, ſondern durch die Dar⸗ ſtellung einer Handlung, die Furcht und Mitleid in ihrem Verlaufe in ſich hat, ein ganz eigenthuͤmliches Behagen, einen Genuß verſchaffen, den Genuß des Tragiſchen, der eben durch die abſchließende und loͤſende Laͤuterung und erhe⸗ bende Verklaͤrung und Reinigung der in ſolchen rodesoe(welche Aeog und Bog als ihre Beſtandtheile enthalten) vorkommenden leidenſchaftlichen Zuſtaͤnde
ewirkt wird. 4 3 Hat denn aber der Philoſoph uͤberhaupt von der moraliſchen Wirkung der
Poeſie handeln wollen? Wenn das in ſeiner Abſicht lag, ſo haͤtte er es jeden— falls im Eingang ſeines Werkes herausheben muͤſſen. Wie druͤckt er ſich aber Pap. 1, 1 aus? Ileoi ouronss dris Ts 1ε τ εμ αντν, νꝙ Tiνπα Srauty(Eaagroy E."ee... AS†ouer. Hier heißt Srpaic innere Weſenheit, der Begriff, das Allgemeine(Hegels Vorleſ. uͤber Geſch. der Philoſ. II. S. 321.) Alſo von dem, was Epos, Komoͤdie, Tragoͤdie u. ſ. w. ihrem Weſen, ihrem Begriff nach ſind, verſprach Ariſtoteles zu handeln, nicht von ihrer etwaigen Wirkung auf das Gemuͤth des Hoͤrers oder Zuſchauers. Und darin liegt gerade unſerer Anſicht nach der nicht genug anzuerkennende Fortſchritt des Ariſtoteles, daß er in ſeiner Poetik, in direktem Widerſpruch gegen die Plato⸗ niſche Republik zum erſten Mal mit Beſeitigung jenes falſchen Geſichtspunktes von der Wirkung der Poeſie vielmehr auf das Weſen und den Kern der Sache mit ſolcher Entſchiedenheit drang. Das iſt gerade das Großartige bei Ariſto⸗ teles, daß er ein wenn gleich unvollkommenes Prinzip auffand und an die Spitze aller Kunſttheorie ſtellte, und von dieſem aus das Gebiet eines Theils der Kunſt, deren vollendete Produktionen vor ihm lagen, durchwanderte.
Auf dieſe Weiſe wird ſich die aͤcht Ariſtoteliſche Anſicht vom Weſen der
Tragoͤdie, rein aus ſich ſelbſt entwickelt, rein herausgeſtellt haben. Alle Ein— wendungen dagegen, wie ſie neuerdings Raumer(hiſtor. Taſchenbuch 1842 S. 172) ſo ſcharfſinnig zuſammengefaßt hat, gehen von einem andern Standpunkt aus, auf welchem ſie begruͤndet erſcheinen moͤgen, ohne darum unſere Darle⸗ guns, die einen hoͤheren Geſichtspunkt ſich hat waͤhlen muͤſſen, irgendwie zu eeintraͤchtigen. Ariſtoteles mag, wie man getroſt zugeben kann, an andern Stellen ſeiner Poetik(K. 13. 14, 2) von einer Einwirkung des Trauerſpiels auf Furcht und Mitleid des Zuhoͤrers geſprochen haben, wie er auch ſonſt hin und wieder der Natur der Sache nach auf die Wirkung im Zuhoͤrer hinweiſet: — nur im Bereiche unſerer obigen Hauptſtelle darf, wie ich nachgewieſen zu haben glaube, von einem ſolchen angeblichen Zweck der Tragoͤdie nun und nimmer mehr die Rede ſein.
Dies ſind etwa die Grundbeſtimmungen des Weſens der Tragoͤdie nach Ariſto⸗ teles, und damit waͤre zugleich der Boden gewonnen, aus dem die weiteren Fruͤchte neuerer kunſtphiloſophiſcher Betrachtung ſich ungeſtoͤrt werden entwickeln
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