Aufsatz 
Über das Wesen der Tragödie / [Karl] Rossel
Entstehung
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Art der Darſtellung, eine verſchoͤnerte Sprache, doch jedes der Mittel dieſer Art in den paſſenden Theilen(cap. 1. ai uey Auα πησν, i de zard. u*oc) und zwar nicht durch Erzaͤhlung, ſondern durch Handlung; drittens, ſie muß durch einen Verlauf von Mitleid und Furcht hindurch zum Schluß die ausſoͤynende Laͤuterung der hierher gehoͤrigen Leidenſchaften zu Stande bringen.

Wir muͤſſen unſerem Vorhaben gemaͤß vornehmlich auf die letzte Behaup⸗ tung, auf die ſich von jeher alle Erklaͤrungsverſuche geworfen haben, unſer Au⸗ genmerk richten. Doch wird es gerade hier gerathen ſein, Schritt fuͤr Schritt den ſicheren Boden zu gewinnen und philologiſch zu befeſtigen, um der philoſo⸗ phiſchen Schlußbetrachtung einen moͤglichſt geſicherten Stuͤtzpunkt zu gewaͤhren. Deshalb wollen wir zunächſt die Deutung der einzelnen Worte des fraglichen Satzes verſuchen und demnaͤchſt den Sinn ihrer Verbindung erlaͤutern: Beides aber nur nach dem Maßſtab, den uns Ariſtoteles ſelbſt an anderen Stellen ſeiner Werke an die Hand gibt..

Die α Reinigung, iſt ein religioͤſer Gebrauch, wodurch der Menſch aus einem Zuſtand der Verworrenheit ſich ſelbſt wieder gegeben wird. Ariſtote⸗ les erwaͤhnt ihrer bei der Muſik(Polit. 8, 7. r de rGy ie geX d96 ev rodrore, brav Norgcvras Tos 6O9AovG TI SP ue, ‿,ιεσꝓταε vopg, derεν iurostae TNOvTas 2 2⁴α˙ι οds 60G) und ſtellt ſie mit der zargsia, der Heilung, zuſammen. Es muß alſo, um ſie anzuwenden, ein Man⸗ gel vorhanden ſein, und die eintretende Veraͤnderung irgend eine Beſſerung des⸗ ſelben in ſich ſchließen, dieſe moͤge nun moraliſch oder anderer Art ſein.

Die Worte: 10 rolouron koͤnnen nichts anderes bezeichnen als: die aͤhn⸗ lichen, dergleichen Gemuͤthszuſtaͤnde, die in ſolchen Handlungen vorkommen, wie parallele Zuſammenſtellungen beweiſen. Poét. 19, 4. fXEoy, 0o 6sν-a rolαᷣτα. Rhet. 2, 1. 6971, EAeoc, Hdßoc zl boœα Gαeννας · αετ‿αα. 3 ogos, Furcht, erhaͤlt Rhet. 2, 5. folgende Beſtimmung: Furchtbar iſt, was, wenn es einem anderen widerfaͤhrt, Mitleid erregt(E&Xestvd&0ο). Das Furchtbare muß uns nahe ſcheinen. Wer im hoͤchſten Gluͤcke lebt, oder ſchon Unzaͤhliges erduldet hat, fuͤrchtet nicht. Exeo, Mitleid, iſt Schmerz, Trauer, welche entſteht, wenn man ſieht, daß ein verderbliches und ſchmerzliches Uebel jemand zuſtoͤßt, der dasſelbe nicht verdient(Kvοeeoe); wenn dies Uebel ferner nahe erſcheint und uns ſelbſt oder einen der unſrigen treffen koͤnnte. ꝓ0- Gog und ſein Gegenſatz Sedgos, Aeery und ſein Gegenſatz veuegä(Rhet. 2, 5. 9.) und 16 T0% ι τ, dergleichen, bezeichnen alſo alle ranara,dte mit jenen zwei Haupthebeln tragiſcher Handlungen(EXeoc a* o) in dem jedesmal dargeſtellten ſpeziellend oc nothwendig zum Vorſchein kommen.

Der Hauptpunkt der Erklaͤrung ſcheint aber in der richtigen Faſſung der Woͤrter din ueonl Soov zu liegen. Ariſtoteles behauptet, die in der Tra⸗ goͤdie dargeſtellte oätts, oder die oäsic, welche eben die Tragoͤdie iſt, fuͤhrt