Aufsatz 
Die Einfälle der Normänner in Teutschland : eine historische Abhandlung / Georg Lauteschläger
Entstehung
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3) Die Aufgabe darf nicht die Faͤhigkeit des Schuͤlers uͤberſteigen, denn in dem ſicheren Gelingen liegt die erfreuliche Ermunterung zum weiteren Stre ben. Doch muß der Schuͤler einige Faͤhigkeit, wie ſich das wohl von ſelbſt verſteht, beſitzen; ſonſt iſt alle Muͤhe des Lehrers verloren.

4) Der Schuͤler muß Alles aus eigner, aus ihm ſelbſt entwickelter Er⸗ kenntniß hervorbringen; weshalb der Lehrer bloß die zu dieſem Zwecke geeigneten Fragen an ihn richten, nie aber ſeinem Urtheile vorgreifen und am wenigſten zur Verbeſſerung der Zeichnung Hand anlegen darf. Dies wuͤrde die Selbſtthaͤ⸗ tigkeit des Schuͤlers gaͤnzlich unterdruͤcken.

5) Der Schuͤler ſoll nie zur Ausfuͤhrung auf dem Papiere ſchreiten, bevor er das, was er machen ſoll, richtig beurtheilt und erkannt hat; zweckmaͤßige Fragen des Lehrers fuͤhren zu dieſer Erkenntniß, und außerdem muß der Zeich nende, bevor er eine Linie zieht, vorher jedesmal die Endpunkte und, wenn es eine gebogene iſt, noch einige Huͤlfspunkte, fuͤr die Abweichung von der geraden, angeben. Durch die Fragen des Lehrers werden dann auch dieſe Punkte vor her jedesmal berichtigt, ehe die Linie gezogen wird.

6) Alle Begraͤnzungslinien(Conturen) muͤſſen moͤglichſt fein gezogen werden, denn ohne mathemathiſche Genauigkeit iſt auch keine richtige Zeichnung moͤglich. Es verſteht ſich daher von ſelbſt, daß auch die vorher zu ſtellenden Punkte ſehr fein, faſt nicht ſichtbar ſein duͤrfen. Das Ausloͤſchen einmal geſtellter Punkte und gezogener Linie ſoll ohnehin in der Regel nicht ſtatt finden. Auch bewei⸗ ſet es die Erfahrung, daß Schuͤler, welche von dicken, groben Linien nicht abſte hen wollen, uie zu einer beſtimmten reinlichen und correcten Zeichnung gelangen.*) Schon bei den in der Kunſt ſo hochgebildeten Griechen wurde die Feinheit der Linien nicht vernachlaͤſſigt. Es war ein großes Verdienſt des Pamphilos, in der von ihm geſtifteten Schule die Kunſt der Zeichnung zu ſolchem Anſehen ge⸗ bracht zu haben, daß ſie von nun an als nothwendiges Erforderniß zur guten

*) Beſonders ſchwer iſt es, Schuͤler, welche fruͤher durch nachlaͤſſigen und un⸗ gründlichen Unterricht ſich zu einer unſaubern und oberflaͤchlichen Skizzir⸗ Manier verirrt hatten, wieder auf den richtigen Weg zuruͤckzufuͤhren. Meiſtens hoͤren ſie nach kurzen fruchtloſen Verſuchen gaͤnzlich auf, wobei nicht ſelten die Schuld des Nichtgelingens dem wohlmeinenden Lehrer zugeſchrieben wird. Hierin aber liegt einer der Hauptgruͤnde, warum von den Schuͤlern des Gymnaſiums, bei einer voͤllig folgerechten Unterrichts⸗Methode, mitunter weit weniger geleiſtet wurde, als man zu erwarten berechtigt war. Es iſt demnach zu wuͤnſchen, daß man mit dem Zeichnungs⸗Unterrichte der Kinder nicht zu fruͤh anfangen, und dann bei der Wahl der Zeichnungslehrer aͤußerſt vorſichtig ſein moͤge.

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