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und bald auch das ganze Mittelmeer mit den reichſten Küſten und Inſeln von drei Welttheilen gewonnen? und hat dieß Alles ihn zum Schiffer machen können? So der Odͤmane, ſeit dem erſten Anfange ſeiner miteuropäiſchen Geſchichte bis auf den heutigen Tag. Zwar haben die Römer karthagiſche und die Türken venetianiſche und ſpaniſche Flotten geentert und zerſtört; aber dieß iſt mehr durch die allbeſiegende Tapferkeit in der Epoche des höchſten Heldenalters Beider, als durch Geſchicklichkeit und Luſt an Stürmen und Wogen erwirkt; auch iſt Beiden hier die Tapferkeit früh erloſchen ²).
Den ſlaviſchen Völkern ſtanden dieſelben Meere offen, wie den germa⸗ niſchen; wer aber vernahm je etwas von ſlaviſcher Seemacht? kam in der Zeit der größten Herrſchaft der Polen ein Schiffer dieſer Nation weiter als zu den Küſten der Oſtſee? Dem Germanen in ſeinen Urſtämmen und Zwei⸗ gen blieb der Seetrieb und dieſer verſchaffte ihm auch die Seeüberlegenheit Nicht die eigentlichen Briten ſind es, die jetzt die Meere beherrſchen, es ſind die Abkömmlinge der Nordgermanen, Angeln, Sachſen, Dänen, wel⸗ chen ſich die Celtiſchen und Galiſchen Stämme in Britanien und Irland unterwerfen mußten.
Dieſe Ueberlegenheit zur See, entſprungen aus der Verſchiedenheit des Charakters, wodurch die Germanen von Celten und andern ſich unterſchieden, mußten ſie in frühen Zeiten erlangt haben; ſchon zu Cäſars Zeiten mögen ſie die Nordſee und Oſtſee in allen Richtungen befahren haben. Tacitus beſtä⸗ tigt dieß durch die kurze Notiz, die er von den Suionen(Bewohner der ſkandinaviſchen Küſten) giebt 3). Auch war es wohl nicht das erſte Probe⸗ ſtück, das die Nord⸗Germanen zur See ablegten, als ein Theil von ihnen, nach der Mitte des dritten Jahrhunderts von den Küſten des ſchwarzen Mee⸗ res, wohin ſie der römiſche Kaiſer Probus, um die Gränzen ſeines Reiches
2) Arndta. a. O. 3) Tac. GCerm. c. 44.


