10
1867— 1895. Die Geschichte unseres Realgymnasiums in diesem Zeitraum ist im wesentlichen die Geschichte der preuſsischen Real- schulen IJ. Ordnung bezw. Realgymnasien. Eine Darstellung der inneren Entwicklung der Schule, bes. ihres Lehrplanes könnte hier- nach überflüssig erscheinen, wenn nicht die Königliche Regierung, wie schon eben erwähnt, die Uberleitung der Anstalt in die Bahnen des preuſsischen Realschulwesens ruhig und langsam vorgenommen und dem Realgymnasium einige originelle Züge seiner Jugendjahre gelassen hätte. Diese originellen Züge werden ebenso wie charakte- ristische, durch Direktoren oder Lehrer der Anstalt dieser aufgeprägte Merkmale im folgenden darzustellen sein.
Durch Ministerialerlals vom 22. Juli 1867 wurde das Real- gymnasium in die Zahl der preuſsischen Realschulen I. Ordnung aufgenommen. Der Lehrplan erhielt damit die Xnderung, dals der sprachlich-geschichtliche Unterricht gestärkt wurde. Dispensation vom lateinischen Unterricht ist nicht mehr möglich, Englisch ist hinfort obligatorisch und in Tertia auf 4 Stunden erhöht, ebenso wird der französische und lateinische Unterricht dieser Klasse auf je 5, derjenige für Geschichte und Geographie auf 4 erhöht. Auf der anderen Seite muſste der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht eingeschränkt werden, das physikalische Praktikum in der Prima, eine Stunde Chemie in Sekunda, eine Stunde des physikalisch- mechanischen Unterrichts und 2 Stunden deskriptives Zeichnen in Tertia fielen weg. Trotz dieser Einschränkung plieb das Ziel dieses Unterrichts mit Erlaubnis des Ministers im wesentlichen dasselbe wie früher. Fakultativ blieben theoretische Chemie und chemisch-
15
technische UÜbungen in Prima, Technologie und freies Zeichnen in Prima und Sekunda.
Im Jahre 1870 erhielt die Sekunda einen 2 jährigen Kursus mit möõglichst getrenntem Unterricht, so dals nur Religion und Geschichte gemeinschaftlich blieben. Die Pensa der bisherigen Sekunda und Tertia für Physik und Chemie erhielten jetzt Ober- und Untersekunda, Physik, Chemie und deskriptive Mathematik be- gannen also erst in Sekunda b, in Sekunda a kam noch Krystallo- graphie hinzu. Aufnahmebedingungen und Ziele blieben aber dieselben. Doch schon im Jahre 1872 wurde der Unterricht in der Chemie, welcher der Königlichen Regierung zu weit zu gehen schien, ein- geschräpkt. Es blieben hiernach in den beiden Abteilungen der Prima 3 obligatorische und 2 fakultative Stunden, für die letzteren


