geglichen werden konnte. Da erschien das Jahr des Heils 1848, für das Realgymnasium war das darauf folgende noch unheilvoller. Die Unterklassen genügten den angeblichen Zeitansprüchen nicht mehr, weil mir die Elementarkräfte nicht abgenommen worden waren, und weil mir die schwarze Kunst abging, Seminarbildung über Nacht in Gymnasial- und Universitätsbildung zu verwandeln. Ich vermochte die Wolfslogik nicht zu fassen, nach welcher post hoc und propter hoc wunderbar verwechselt wurden. Der Anlauf auf die Trennung des Oben und Unten prallte an der Weisheit Sr. Hoheit ab... Die Schule hob sich wieder zusehends, weil gleichzeitig wissenschaftlich gebildete Probekandidaten mitunter eintraten. Doch das alles half nichts. Es ward ein neuer Trennungsanlauf genommen. Diesmal kam die Dissektion zu Stande. Die Oberklassen wurden, chirurgisch gesprochen, von ihrem Unterbau abgebunden. Der organischen Ent- wicklung der Schüler der Anstalt ward ein Ende gemacht; sie wurde nach meiner UÜberzeugung lahm gelegt und ich selber mit. Unten so viel Unterbaue, als es Pädagogien und Realschulen im Lande giebt; unten eine schwankende, um nicht zu sagen, unzureichende Grundlage. Oben enorm gesteigerte Forderungen, indem auch Klein- polytechnikum mit klingendem Spiele einzog.“
Nach dem oben dargelegten Lehrplan zeigten sich die„enorm gesteigerten Forderungen“ besonders in den exakten Wissenschaften. Die Wirkung war notwendig eine Schwächung der Ausbildung in den Sprachen. Das thatsächliche Vorhandensein mälsiger Erfolge in den Sprachen, besonders im Lateinischen, wird unumwunden von dem Direktor Ebenau, welcher im Oktober 1863 zum Nachfolger Müllers ernannt worden war. in einem Berichte an die Regierung vom Jahre 1864 zugestanden.„Bei dem Vorwalten“, heilst es daselbst,„der exakten und mathematischen Disziplinen ist es natürlich, daſs die sprachlich-historische Seite bei den Schülern die schwächere ist. Besonders ist es die lateinische Grammatik, welche, obgleich mit allem Nachdruck betrieben, doch nur geringe Resultate in Bezug auf die Exerzitien zu liefern vermag“. Ob die Herzogl. Regierung unter dem Eindruck dieser Erfahrungen für die Sprachen wieder einen Ausgleich der beiden Bildungsmaterien noch herbeigeführt haben würde, läſst sich nicht sagen. Er wurde herbeigeführt nach den Preignissen des Jahres 1866, indem mit schonender Hand all- mählich der Lehrplan des Wiesbadener Realgymnasiums dem der preuſsischen Realschule I. Ordnung genähert wurde.


