Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt / Königliches Realgymnasium Wiesbaden
Entstehung
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und das hat ihm oft schwere Stunden bereitet. In seinen Berichten an die Regierung hat er diesem häufig Ausdruck gegeben und un- erschrocken immer wieder von neuem gewünscht, was ihm für das Wohl der Schule nötig schien, denn durch ein Gymnasium vorge- bildet, war er durch die Neigung zur Mathematik und den Natur- wissenschaften, der er einige Semester theologischen Studiums opferte, zu einem tüchtigen Gelehrten in seinem Gebiete ausgereift, ohne dals er damit die Wertschätzung des sprachlichen Unterrichts ver- loren hätte. Bezeichnend ist, daſs er die erste Programmabhandlung der Frage widmete: In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien? Spilleke und andere Bahnbrecher der Realschulen hatten alle Realanstalten prinzipiell ohne Latein gedacht, es wurde nur mit Rücksicht auf die Berechtigungen eingeführt, Müller trat ohne irgend eine äussere Nöõtigung für das Latein ein, dessen Wichtigkeit auch für Realanstalten bei der Neuregelung des Realschulwesens in Preufsen 1859 stark betont wurde. Wir sahen ferner schon oben. dals Müller die grammatische Seite selbst des neusprachlichen Unterrichts durchaus nicht vernachlässigt sehen wollte. Dafür ver- langte er aber auch für die Abiturienten die Berechtigung zum medizinischen Studium. Die herzogliche Regierung forderte jedoch hierzu eine Nachprüfung in den alten Sprachen, die aber aus persön- licher Initiative des Herzogs, wie von Professor Krebs in Frank- furt mitgeteilt wird, immer erlassen wurde.

Bei solcher Auffassung der Aufgaben des Realgymnasiums konnte Müller die letzte Entwicklung der Schule nicht völlig billigen. Der schon oben erwähnte Bericht vom 29. April 1860, der wie sein Schwanengesang sich anhört, lautet im Anfang: Unter den peinlichsten Gefühlen über den Notstand des Realgymnasiums, über welche ich kaum Herr werden kann, beehre ich mich, Herzogl. Landesregierung über in Aussicht genommene Einrichtungen des Unterrichts gehorsamst Be- richt zu erstatten. Die ganze Vergangenheit der Anstalt tritt un- verdrängbar vor mich und führt eine lange Reihe trüber Bilder an mir vorüber. Als ich vor Jahren dringend pat, mir bei dem sicht- baren Wachstum der Schule drei bis vier voll zu verwendende, aber unzureichende Lehrkräfte durch geeignete zu ersetzen, erhielt ich mündlich den Präsidialbescheid,die Anstalt müsse sich aus sich selbst entwickeln«. Das Prinzip war mir nicht recht klar. Dennoch wuchs die Schule, weil oben bei guten Kräften manches wieder aus-