Die Schule nahm sich in den letzten Jahren dieses Zeitraums auch der Bildung der Schüler in den freien Künsten mehr an. Theater, Konzerte und Bildergalerie wurden leichter zugänglich ge- macht. Auch der Tanzunterricht wurde vonseiten der Schule geregelt, die mit besonderem Danke das freundliche Anerbieten der Kasino- gesellschaft annahm, dafs sie den auswärtigen Schülern der Prima Karten zu den Tanzvergnügen überweisen wolle.
Seit 1858 diente das Realgymnasium zur Ausbildung von Zeichen- lehrern für Real- und Gewerbeschulen. Dieselben hatten ein Jahr lang an allen Teilen des Zeichenunterrichts und an demjenigen in Stereometrie und Physik teilzunehmen und mulsten sich nach Ab- lauf desselben einer Prüfung unterwerfen.
Das Realgymnasium kam in dieser Periode in eine sehr enge Verbindung mit der Militärschule. Durch Gesetz vom 10. September 1862 wurde für die Aufnahme in diese Anstalt die Reife für die Unterprima des Realgymnasiums verlangt, da sich nach den bisherigen Aufnahmebedingungen die mathematischen und natur- wissenschaftlichen Kenntnisse als unzureichend erwiesen. Die Militär- schule wurde nun in 2 Kurse geteilt, deren unterer zweijähriger den Lehrstoff der Prima des Realgymnasiums nebst den fakultativen Vorkenntnissen zu den militärischen Fachwissenschaften bearbeitete und mit einer Reifeprüfung abschlols, die zum Eintritt in den höheren Kursus berechtigte. Zur Durchführung dieses Lehrplanes waren die Lehrer des Realgymnasiums teilweise mit dem Unterricht in der Militärschule beauftragt, teilweise wurden die Schüler beider Anstalten gemeinschaftlich unterrichtet. Die hier in Betracht kom- menden Fächer waren Physik, Chemie, Mineralogie, Geometrie, Arithmetik und geometrisches Zeichnen. Mit dem UÜbergang Nassaus in preufsischen Besitz wurde die Militärschule aufgehoben.
Im April 1862 starb der Direktor der Schule, Oberschulrat Müller. Die Geschichte der Anstalt kann nicht geschrieben werden, ohne die Bedeutung dieses Mannes für sie hervorzuheben. Er hat ihr die Organisation gegeben und in immer neuer Gestaltung des Lehrplanes ihr Wesen zur Erscheinung gebracht. Wenn auch die Mitarbeit des Kollegiums, das in jener Zeit ein weit gröſseres Ge- wicht bei Fragen des Lehrplans, der Stundenverteilung und der Schulzucht hatte, hervorgehoben werden muls, so war doch Müller die Seele aller Beratungen und Entschliefsungen und gab ihnen die Richtung. Mit beschränkten Mitteln hat er sich einrichten müssen,


