ganzen Gebietes vorführte. In Quarta und Tertia wurde die Experi- mentalphysik ausführlicher, in Sekunda und Prima die Anwendung der Mathematik auf die Physik behandelt. Heufsis Physik und Koppes Anfangsgründe waren die Lehrbücher.
Neben der Theorie der anorganischen Chemie wurden prak- tische Ubungen im Laboratorium besonders gepflegt; Casselmann. in dessen Händen der Unterricht lag, hatte ein Lehrbuch in zwei Kursen dazu verfaſst. Derselbe hielt wöchentlich 2stündige Vorträge über chemische Technologie.
Von den Naturwissenschaften wurde die Zoologie, Botanik und Mineralogie nach einander unterrichtet. Der botanische Unter- richt mulste im Winter wegfallen, und die Stunden kamen gewöhn- lich dem Sprachunterricht zu gute. In der Zoologie empfiehlt Müller mehr die Biographie als die Systematik zu pflegen, ein zoologisches Lehrbuch wurde nicht gebraucht, in der Botanik die von Fernrohr und Leunis. Als der ausgezeichnete Vertreter des mineralogischen Faches, Philipp Wackernagel, Ostern 1850 die Anstalt ver- liels, entstand eine Konkurrenz um diesen Unterricht zwischen Casselmann, dem Vertreter der Chemie, und Sandberger, dem Vertreter der Zoologie und Botanik und hervorragenden Kenner der Paläontologie. Beiderseits wurde auf den engen Zusammenhang der Mineralogie mit ihrem Fach hingewiesen und gegenseitig die Be- fürchtung ausgesprochen, dals die Mineralogie in dem Hauptfach. der Chemie oder Paläontologie, aufgehen möchte. Die Konferenz stimmte gegen des Direktors Ansicht für Casselmann, worauf ersterer in einer Eingabe an die Regierung den engen Zusammen- hang der Mineralogie mit der Palãontologie nachwies und betonte. dals eher von der mit 11 Stunden bedachten Chemie als von der Paläontologie eine Vernachlässigung der Mineralogie zu befürchten sei. Es sei ihm auch zweifelhaft, ob das Lehrerkollegium das Recht habe. über die Verteilung der Unterrichtsfächer Beschlüsse zu fassen, da die darüber bestehenden Bestimmungen nicht völlig klar seien. Die Regierung entschied sich für Sandberger. Ob allerdings damit grundsätzlich dus Recht des Direktors anerkannt wurde, ist aus den Akten nicht zu ersehen.
Im Schönschreiben wurde die Taktiermethode fleiſsig angewandt. Der Zeichenunterricht strebt dahin, dals der Schüler des ausgeführten freien Handzeichnens hinreichend mächtig und im stande sei, selbst etwas komplizierte räumliche Gegenstände sowohl nach den Grund-


