Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt / Königliches Realgymnasium Wiesbaden
Entstehung
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fach wurde Klage laut über die schlechten stilistischen Leistungen hauptsächlich in der Tertia, man beschloſs gleichmäſsiges Hinwirken auf einen guten mündlichen Ausdruck in allen Stunden und halb- jährige schriftliche deutsche Ausarbeitungen in einigen Fächern. Was den Stoff der Aufsätze betrifft, so weist man Geschäftsaufsätze u. dergl. dem Rechnen und dem Schreibunterricht zu. die Themata seien möglichst an das Lesebuch oder die Lektüre anzuschlieſsen. nicht aber auf Inhaltsangaben zu beschränken, in Quarta schon sei die Ausarbeitung leichterer Abhandlungen durch Disponierung ge- lesener Stücke vorzubereiten. Gebraucht wurden Wackernagels Lesebuch Teil 13 und dessen Auswahl deutscher Gedichte.

Daſs für das Realgymnasium das Lateinische unentbehrlich sei, hat Müller nicht nur in vielen seiner Eingaben an die Behörde betont, sondern auch in einer heute noch sehr lesenswerten Abhand- lung im ersten Programme der Anstalt vom Jahre 1846 nach- gewiesen. Es wird zur Begründung einer allgemeinen Terminologie und zur Befestigung und Fortbildung in der Muttersprache benutæt. Mit Rücksicht darauf mufs schon in der untersten Klasse das Lateinische beginnen und in derselben Hand liegen wie der deutsche Interricht. Beides war zunächst unmöõglich, weil Elementarlehrer mit dem Deutschen beschäftigt werden mulsten. Müller, der in VII dem Lateinischen am liebsten 6 Stunden auf Kosten des Deutschen zugewiesen hätte, brachte es im Jahre 1847 dahin, daſs in VII und VI je 5, in allen anderen Klassen je 3 Stunden Latein waren. In den Lehrbüchern fand ein häufiger Wechsel statt: Kühners Schul- grammatik, neben der auch dessen Elementargrammatik gebraucht wurde, folgte Putsches Grammatik, die Übungsbücher von Kühner, Dö1I, Dünnebier lösten sich nach einander ab, bis 1852 Spiess' Ubungsbücher eingeführt wurden. Gelesen wurden in dieser Zeit in III Curtius Rufus und Caesar, in II Caesar, Sallust, Cicero, de senectute, in I Reden Ciceros, Tacitus, Agricola und Germania und Horaz, Oden.

Die französische Sprache mulste, um das in der Vorschule Erlernte den Schülern zu erhalten, schon in der Septima unterrichtet werden. Aber Müller bekämpfte lebhaft den französischen Unter- richt in der Vorschule, weil dadurchdie Schüler in den Elementen der deutschen Sprache verkümmerten und in der Septima, wo das Lateinische nicht zu entbehren sei, schon 2 Fremdsprachen zu treiben durchaus unpädagogisch sei. Erst 1853 gelang es ihm, den Beginn