datiertes Gesetz wurde den Pädagogien der Charakter als Vorbe- reitungsschulen für den praktischen Beruf genommen, in Hadamar und Wiesbaden wurden die bisherigen 4 Klassen nach oben, in Weilburg nach unten durch Zusatz von je 4 Klassen zu vollständigen Gymnasien erweitert. Dasselbe Gesetz bestimmte, dals in Wiesbaden in Verbindung mit der städtischen Realschule ein Realgymnasium errichtet würde. Schon seit Jahren waren in dem Landtage dahin- gehende Wünsche geäufsert worden, denen die Landesregierung Be- rücksichtigung zusagte. Dem immer dringenderen Verlangen lieſs sie endlich die That folgen, um durch Gründung des Realgymnasiums dem lebhaften Aufschwung in Handel und Industrie eine Förderung zu teil werden zu lassen und zugleich eine Vorbereitungsschule für die Fachstudien solcher Jünglinge zu bieten, die später in den öffent- lichen Dienst eintreten wollten. Nach§ 3 des landesherrlichen Edikts bezweckt das Realgymnasium„eine allgemeine wissenschaftliche Vor- bildung derjenigen, welche sich einem technisch-praktischen Berufe widmen und zu demselben unmittelbar übergehen oder ihre Studien auf einer Fachschule fortsetzen wollen“. Noch deutlicher heilst es im ersten Programm der Anstalt Seite 28:„In dem Realgymnasium werden künftige Kaufleute, Fabrikanten, Techniker, Mechaniker und überhaupt höhere Gewerbtreibende, sowie künftige Pharmaceuten, Berg- und Hüttenbeamte, Baukünstler, Oekonomen, Forstmänner. Militärs, endlich diejenigen ihre Vorbereitung erhalten können, welche die in Realanstalten bes. kultivierten Fächer der neueren Sprachen. der Mathematik. der Naturwissenschaften u. s. W. studieren wollen, um sich später dem Lehrfache zu widmen“. Nach einer Verordnung vom 1. Februar 1845 über die Prüfungen soll die Zulassung der Kandidaten der Pharmacie davon abhängig sein. dals sie die Reife zum Eintritt in die zweite Klasse des Realgymnasiums erlangt haben (§ 9). Nach§ 17, 13 u. 14 müssen die Kandidaten der Forstwissen- schaft, der Berg- und Hüttenkunde, der Baukunde in allen ihren Zweigen das Realgymnasium absolviert oder die Reife für die oberste Klasse des Gymnasiums erlangt haben. Der simultane Charakter des ganzen nassauischen Schulwesens wurde natürlich auch dieser Anstalt gegeben und ist ihr bis heute geblieben.
Am 10. April 1845 wurde die Anstalt unter dem neu berufenen Schulrat Müller aus Gotha eröffnet. Die Realschule behielt 4 Klassen, ihre bisherige Quinta wurde die unterste Klasse des Realgymnasiums, der bei der Pröffnung eine sechste und Ostern 1846


