Aufsatz 
Andenken an den hochwürdigsten Herrn Geo. Eman. Chr. Theod. Müller, der Theologie Doctor und evangelischen Landesbischof zu Wiesbaden, gefeiert von dem Herzogl. Nass. Landes-Gymnasium zu Weilburg am 17. December 1836 : er verschied am 10. December
Entstehung
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Was in einer faſt 40 jaͤhrigen Wirkſamkeit auf einflußreichen Stu⸗ fen die evangeliſche Kirche unſeres Landes von ihm zu ruͤhmen weiß, uͤberlaſſen wir ihrer eigenen Erwaͤgung und Erwaͤhnung. Was er in anderen geſelligen und buͤrgerlichen Kreiſen den milden Anſtalten und einzelnen Bedraͤngten darbrachte, das bezeugen unverloͤſchlich die Mitlebenden. Wie er fuͤr die Sorge und Liebe des Familienvaters, die er nicht im eigenen Hauſe hatte, die Gegenſtaͤnde in ſeiner naͤchſten Umgebung ſuchte, das bewahren die Seinen in ſchmerzvollem Andenken. Wie er als Biedermann in allen Verhaͤltniſſen des Lebens ſich zeigte, das bewaͤhrte die ungetheilte und ungeheuchelte Hochachtung und Theilnahme, die uͤberall bei der Kunde ſeines Hintrittes laut wurde. Was das Vaterland in allen Theilen ſeiner oͤffentlichen Wirkſamkeit ihm verdankt, das weiß die Gerechtigkeit ſeines Fuͤrſten zu wuͤrdigen und anzuerkennen. Was bliebe mir ſelbſt alſo uͤbrig zu erwaͤh⸗ nen? Und dennoch, wie Vieles haͤtte ich noch zu ſagen! Denn ſo oft mir vergoͤnnt war, ſeiner Naͤhe mich zu erfreuen, immer fand ich entgegenkommende Freundlichkeit, immer die un⸗ unterbrochene Theilnahme an den Schickſalen der Lehranſtalt, welcher er einſt ſelbſt angehoͤrte. Zeugniß kann ich geben, wie innig er ſich freuete uͤber alle Fortſchritte der geſammten Schul⸗ wiſſenſchaften, die ſeit ſeinem hieſigen Lehramte im deutſchen Va⸗ terlande geſchahen; wie gern er Kunde davon empfing, und die Stunden ſeiner Muſſe dazu verwendete, vergleichende Ruͤckblicke auf fruͤhere Zuſtaͤnde zu thun. Denn Alles, was Wiſſenſchaft und Kunſt darbot, was menſchliche Bildung in hoͤheren und nie⸗ deren Kreiſen fordern konnte, das erregte ſeine Aufmerkſamkeit, das hielt er ſeiner Kenntnißnahme werth, das war der Inhalt ſeiner belehrenden Geſpraͤche, das ließ er ſelbſt von Andern gern ſich mittheilen. Da war keine neue Richtung der Zeit, die er nicht zu kennen, kein bedeutendes neues Schriftwerk, welches er nicht einzuſehen bemuͤht geweſen waͤre. So bewaͤhrte er ſich alſo züglichſten Mitteln zur Erweckung des Gemeingeiſtes in der römiſchen Republik. 15 SS. 4to, und im J. 1799Erklaͤrende Anmerkungen zu Ovm. Metamorph. I, 153 252.4 16 SS. 4to. Kenner werden hierin bald nicht nur vertraute Bekanntſchaft mit den beſten und ge⸗ ſchmackvollſten Erklärungsweiſen der raueren Zeit, ſondern auch ſelbſt⸗ ſtändige Auffaſſung und Behandlung finden.