B) Deutſches Trauergedicht des Primaners Huͤmmerich.
Soll der Trauer ich die Worte geben? Dieß, Naſſovia, fordre nicht von mir. Sieh die Wehmuth meinen Geiſt umſchweben, Sieh das Herz von Schmerz geruͤhret mir, Da die Schwermuth deine Flur umringt, Und der tiefe Gram uns durch die Seele dringt.
Selbſt der Andacht heil'ge Hallen fuͤllet Namenloſer Schmerz und Jammerton; Weinend ſteht in Trau'rgewand gehuͤllet Jetzt der Diener Gottes, wie ein Sohn Klagend; auf der Lipp' erſtirbt das Wort; Denn dahin iſt er, der Kirche Hort.
Er, deß milder Geiſt ſie all durchdrungen, Deß erhab'ner Sinn ſie all durchgluͤht; Feſter ſtanden ſie, von ihm umſchlungen; Eifrigſt war er um ihr Wohl bemuͤht. Kraͤftig fuͤhlte ſich, wer auf ihn ſah; Liebend war ſein Herz ſtets allen nah.
Stumm, wie wenn der Tod im eig'nen Hauſe Wandelt, ſteht das Volk im bangen Chor, Hoͤrt die Trauerbotſchaft nun, die grauſe, Sieht, daß ſeinen Hirten es verlor, Seinen Oberhirten, ſein Vertrauen, Ach, auf den es durft mit Hoffnung ſchauen. 8
Haͤnderingend irrt der Waiſenknabe, Dem Verſorger er und Vater war; Troſtlos ſeufzt der ſchwache Greis am Stabe, Glaubet ſich verlaſſen immerdar. Und der Wahrheit und der Tugend Freund Tiefgeruͤhret um den Fuͤhrer weint.
Und auch dieſer heil'ge Sitz des Strebens Zu der Wahrheit ſternenheller Bahn


