Aufsatz 
Andenken an den Höchstseligen Herrn Herrn Wilhelm, regierenden Herzog von Nassau : Gefeiert von dem Herzoglichen Landes-Gymnasium zu Weilburg, am 30. August 1839
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

Der Leichenzug. Der Morgen graut; es ſchallt, doch nicht zu Heil und Segen, Vom Thurm, der Aether bebt weit von des Hammers Schlaͤgen, In finſt'ren Trauerflor huͤllt ſich des Himmels Licht; Doch in des Buͤrgers Bruſt, getreu der letzten Pflicht, Ruh und Ergebung ſich und duͤſt'res Schweigen ſenket: Still, mit gebeugtem Haupt, der Zug zur Pforte lenket Der Karawanen Bild auf Syriens wuͤſten Au'n Indem des Waͤchters Horn das Herz erfuͤllt mit Grau'n. Da ploͤtzlich dringt in Oſt hervor die Morgenſonne, Vergoldet ſtehn die Hoͤh'n; die krieg'riſche Colonne, Die eilend ſich vertheilt auf ihrer Fuͤhrer Ruf, Schnell in des Volkes Drang den Geiſt der Ordnung ſchuf. Vor dem Verklaͤrten her bewegt ſich ſtill die Menge; Dem nahen Hügel zu eilt jeder durch's Gedraͤnge, Und wer den Friedensort verlaͤßt, ſieht noch zuruͤck, Und weilt auf dir, o Stadt, mit wehmuthsvollem Blick. Der Morgennebel, ſanft dem tiefen Thal entſtiegen, Zog weit dem Fluſſe nach, wie ſeine Ufer biegen. Des Tempels Kuppel ſtrahlt ins finſtre Angeſicht, Wo Naſſau's Ahnenwelt im Todesſchlummer liegt. Ihr ſeid entſchwunden, ach! ihr Tage ſel'ger Wonne, Wo Weilburgs Soͤhne noch der Jugend Fruͤhlingsſonne Mit Ihm getheilt, und Scherz und Spiel und Froͤhlichkeit: Sie ſind dahin: leb' wohl, leb' wohl, du ſchoͤne Zeit!

Die bange Stunde ſchlaͤgt: ſchon naht die Todesbahr',

Ein Bote kundet es der treuen Kriegerſchaar.

Da faſſet insgeſammt die Meng' ein frommer Schauer, Und in das biedre Herz ergießt ſich ſtille Trauer;

Hin nach dem ird'ſchen Reſt des Sel'gen ſchweift der Blick, Doch edler Zaͤhren voll kehrt eilig er zuruͤck.

Ich ſah der Krieger Schmerz in Thraͤnen uͤberfließen,

Und Dank und Liebe ſich aus ihrer Bruſt ergießen. Landleute, dem Gebirg entſtroͤmt von fern und nah,

In ihrer Thraͤnenfluth ich Waiſen troͤſten ſah;

Ein Greis von hohem Rang ſtuͤtzt ſich zum Leidensgange Auf den geliebten Sohn in des Gefuͤhles Drange;

Es wankt der Schritt, ſein Mund haucht tiefſter Wehmuth Schmerz: Nur der Erinn'rung Bild gießt Ruh' ins edle Herz.