Aufsatz 
Andenken an den Höchstseligen Herrn Herrn Wilhelm, regierenden Herzog von Nassau : Gefeiert von dem Herzoglichen Landes-Gymnasium zu Weilburg, am 30. August 1839
Entstehung
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Seiner erſten theuern Lebensgefaͤhrtinn unter lauten Freuden empfingſt, und dann mit tiefer Trauer da beſtatteteſt, wohin Sie vorangegangen in Gott ruhet, Ihm zur Seite nun wieder, mit den theuern Kindern, die in zartem Alter vorabgerufen wurden?

Auch Du, geliebte Lehranſtalt, die Du berufen biſt, das aufbluͤhende Geſchlecht zu erziehen zu kennt⸗ nißvollen und treuen Dienſten fuͤr Fuͤrſt und Vaterland, wie koͤnnteſt auch Du jemals Den vergeſſen, Der Dir immer ein ſorgſamer Pfleger und liebevoller Goͤnner war, unter Deſſen weiſer Leitung Du nun faſt ein Vierteljahrhundert hindurch zu immer hoͤherer Vollkommenheit gefuͤhrt wurdeſt, und Dich rühmen darfſt, durch Deines Wilhelm Gnade Alles zu haben, was Du beſitzeſt, um unter Deinen vielen Schweſtern in der Naͤhe und Ferne mit Achtung genannt zu werden? Aber die Freude iſt gewichen aus den Mauern, die Dein Fuͤrſt mit neuem Schmucke umkleiden ließ*) und einſt mit landesvaͤterlicher Theilnahme Selbſt beaugenſcheinigte und mit allerlei Zeichen der Liebe ausſtattete, die Dir namentlich in Seinem Bilde, das jetzt mit allen Zeichen der Trauer umgeben ſtehet, den edeln Geber fuͤr immer⸗ waͤhrende Zeiten vergegenwaͤrtigen.**) Die Freude iſt gewichen aus den Raͤumen froͤhlichen Strebens und Sinnens, und Wehmuth und Schmerz ſind dafuͤr eingekehret.

Stille iſt das Haus der Klage. Wann der Vater ruht im Grabe,

Ziemt es, daß man Trauer habe, Daß man Leid im Herzen trage.

Fuͤrwahr, ein Vater, nicht blos uns, ſondern dem ganzen Vaterlande, war der Verklaͤrte. Denn welche Wittwe ging von Ihm ohne Troſt, welche Waiſe ohne Huͤlfe, welcher Bedraͤngte ohne Unterſtuͤtzung, wer uͤberhaupt, auch der Geringſte, ohne freundliche Zuſprache? Er ließ Seine Rechte nicht wiſſen, was die Linke that, und unter denen, die Gott Ihm anvertrauet hatte, als Regenten, kannte er keinen Unterſchied des Standes oder der Perſon oder des Glaubens, ſondern, wie die heilige Schrift ſagt,in allerlei Volk, wer Gott fuͤrchtet und Recht thut, der war Ihm angenehm. Ihr aber, geliebte Schuͤler, wiſſet, daß in Euren Reihen von Jahr zu Jahr Waiſen ſaßen, und eben in dieſer ſchmerzvollen Trauer⸗ ſtunde noch ſitzen, denen der Verklaͤrte ein liebevoller und ſorgſamer Vater war. Wie ſollte alſo jetzt dieſes Haus nicht ein Haus der Klage ſeyn, der allgemeinen und beſonderen, wo ein ſolcher Fürſt uns entriſſen wird in der Haͤlfte ſeiner Tage?

*) Vergl. Oratio, in encaentis gymnasii Weilburgensis d. XIX. m. Oct. a. 1830 habita, im Programme des Jahres 1831, S. 7 ff. unddas Herzogl. Naſſ. Landes⸗Gymnaſium zu Weilburg, nach ſeiner jetzigen Verfaſſung und Verwaltung.(Weilb. 1832). Das höchſte landesherrliche Edict für das geſammte höhere und niedere Unterrichtsweſen des Herzogthumes vom

Jahre 1817 erſchien zu einer Zeit, wo andere Länder noch nichts Umfaſſendes und Vollendetes dieſer Art beſaßen.

**) Dieß geſchah im Jahr 1833, als der Hoͤchſtſelige längere Zeit mit Seiner Familie und dem ganzen Hofe auf dem alten Stamm⸗ ſitze der Walramiſchen Linie verweilte, und der Stadt Weilburg da urch einen Beweis gnädigen Andenkens gab, den alle Ein⸗ wohner in dankbarſtem Gedächtniſſe bewahren. Dem Gymnaſtum war von dem Hoöchſtſeligen bei Seiner Wiedervermählung im Jahr 1829 die beſondere Gnade bewilligt worden, daß die Glückwünſchungs⸗Gedichte, welche mehrere Zöglinge in verſchie⸗ denen Sprachen verfertiget hatten, Ihm gedruckt, als Zeichen ehrfurchtsvoller Theilnahme Seiner kuͤnftigen Diener, überreicht werden durften. Vergl. den Anhang derdeutſchen Schulreden(Gießen, 1829) S. 317 ff.

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