Aufsatz 
Andenken an den Höchstseligen Herrn Herrn Wilhelm, regierenden Herzog von Nassau : Gefeiert von dem Herzoglichen Landes-Gymnasium zu Weilburg, am 30. August 1839
Entstehung
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K.

Deutsche Rede des Directors Friedemann.

Hochzuverehrende Anweſende! Theuerſte Amtsgenoſſen! Geliebte Schuͤler!

So haͤtte denn die Stadt Weilburg den Geliebten ihres Herzens, den ſie ſo oft den Ihrigen nannte und mit Recht nennen durfte, wieder aufgenommen in ihre Mauern, und zwar, wie immer, mit alter Liebe und unerſchütterlicher Treue, aber ach! nicht begruͤßt, wie ſonſt, von dem frohen Jubel ſeiner Buͤrger, ſondern mit ſchweigender Wehmuth und duſterem Schmerze geleitet zu der ſtillen Ruhekammer, die einſt ein frommer Fuͤrſt fuͤr ſich und ſeine Nachkommen erbauete, damit ſie alle, Staub bei Staube, dort verſammelt wuͤrden zu ihren Vaͤtern, wie der Herr des Lebens und des Todes ſie abrufen wuͤrde aus der Reihe der Lebendigen. Ja, Unerforſchlicher, wir beugen uns unter das Gebot deiner Allmacht, das du taͤglich ausgehen laͤſſeſt in alle Welt unter die Kinder des Staubes; wir verehren in Demuth deinen heiligen Rathſchluß, und wollen Troſt ſuchen in dem Worte der heil. Schrift, wo es heißt: Er gefaͤllt Gott wohl und iſt ihm lieb; darum wird er hingeruͤckt. Aber nachdem es uns ver⸗ goͤnnt war, noch ein Mal das geliebte Antlitz in der entſeelten Huͤlle des Verklaͤrten zu ſchauen, ehe der ſchwarze Sargesdeckel herabgelaſſen wurde, um fuͤr immer daſſelbe zu bergen und der Erde wiederzugeben, was ihr nach der Ordnung der Welt verfallen iſt, ſoll fortan unter uns der NameWilhelm, nicht zum letzten Male genannt bleiben, ſondern der Fruͤhverblichene ſoll uns ein Spaͤtvergeſſener werden. Denn iſt auch der lange Trauerzug der Tauſende ſchon voruͤbergewallt, der aus allen Theilen des Landes ſich ſammelte, um dem Geſchiedenen das letzte Geleite zu geben; iſt auch der Grabgeſang ſchon geſungen, unter welchem Er einging zur ewigen Ruhe; hat ſich auch uͤber Ihm die Gruft wieder geſchloſſen, die Seine irdiſchen Ueberreſte umfaͤngt: noch lange wird der Schmerz Seines Volkes ſich kundgeben, noch manche Thraͤne wird Seinem Andenken fließen, noch oft wird ſtille Dankbarkeit Frieden Ihm nachwünſchen. Und Du, Weilburg, Stadt, die Du erkohren biſt zur Huͤterinn der Aſche Deiner Landesfuͤrſten, uͤber welcher eine fromme Gemeine ſich verſammelt zu ſtetem Gebete fuͤr die Lebendigen und die Todten, wie könnteſt Du Den vergeſſen, Deſſen Jugend Du froh und kraͤftig emporbluͤhen ſaheſt, Deſſen Glau⸗ bensgeluͤbde*) Du hoͤrteſt an ebenderſelben Stelle, wo nun Seine Gebeine ſchlummern, Den Du mit

*) Vergl.Darſtellung der öffentlichen Confirmation des Erbprinzen von Naſſau, Georg Wilhelm Auguſt Heinrich Belgicus, (Wetzlar, 1808) von Dr. Fr. Gieße, Herzogl. Hofprediger und Geh. Rathe, welcher würdige Greis im bald anzutretenden 80ſten Lebensjahre ſeinen ehemaligen fürſtlichen Zögling zur Gruft tragen zu ſehen den Schmerz hatte. Gleichen Schmerz hatten viele greiſe Diener des Höchſtſeligen, beſonders Sein treuer Jugendführer, der Oberſtallmeiſter Freiherr F. H. v. Dungern, Excell.