Aufsatz 
Andenken an den Höchstseligen Herrn Herrn Wilhelm, regierenden Herzog von Nassau : Gefeiert von dem Herzoglichen Landes-Gymnasium zu Weilburg, am 30. August 1839
Entstehung
Einzelbild herunterladen

H.

14

Deutſches Trauer-Gedicht, verfaßt von dem Primaner Adolph Muͤnzel.

1)Er iſt nicht mehr! Die bange Trauerkunde Hat jedes Herz in herben Gram verſenkt. Er iſt nicht mehr! So toͤnt's aus jedem Munde,

So Viele nur das Vaterland umfaͤngt.

3) Nicht Seiner Jahre unverwelkte Bluͤthe, Nicht die Verehrung, die an Ihn uns band,

Nicht Seine Weisheit, Seine Huld und Guͤte Hielt fern von Ihm des Todes gier'ge Hand.

5) Geleitet von der Engel Melodieen, Erhob Sein Geiſt ſich auf zur ſchoͤnren Welt, Dorthin, wo, bei der Sphaͤren Harmonieen, Kein irdiſch Band die Selgen feſſelnd haͤlt;

7) Wo Ihm Karl Chriſtian, tief von Dank durchdrungen,

Mit Freundeswort der Weisheit Palme beut:

Nimm hin den Lohn, den Du Dir dort errungen,

Wo Du der Muſen Sitz, mir gleich, geweiht.

9) Sie fuͤhren Ihn hinan zum Strahlenthrone, Woher des Richters Stimme gnaͤdig toͤnt: Empfange fuͤr die Ewigkeit zum Lohne Die Seeligkeit, die den Gerechten kroͤnt.

Ach! ſie haben Einen guten Mann begraben; und uns war Er mehr.

Claudius.

2) Vom hohen Dom herab ruft es die Klage Der Glocken rings in ſanftem Trauerton;

In Thraͤnen hingelehnt am Sarkophage Beweint Raſſovia den beſten Sohn.

4) Ja, fließet nur, des Schmerzes bittre Thraͤnen! Ach! Er war unſre Hoffnung, unſer Gluͤck.

Ihn fuͤhret nicht des Herzens ſtilles Sehnen, Nicht laute Klage Seinem Volk zuruͤck.

6) Dorthin, wo in der Ahnherrn edlem Kreiſe Ihn Adolph mit der Heldenkrone ſchmuͤckt, Daß der Tyrannenmacht nach Vaͤterweiſe Voll Muth das Schwert entgegen Er gezückt;

8)Heil Dir! So hallt es aus des Vaters Munde, Heil Dir! Du haſt das hohe Werk vollbracht, Den Fuͤrſten und ſein Volk im ſchoͤnſten Bunde

Vereint; willkommen, wo Vergeltung wacht!

10) Von dorten blick, o ſeeliger Verehrter, Stets liebreich auf Dein trauernd Volk zuruͤck;

Sei ſtets ihm nah', o allzu fruͤh Verklaͤrter, Bewahr', als Schutzgeiſt noch, der Deinen Gluͤck!