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Leben gewährt nur der Geiſt; Andres entraffet der Tod. Albinov.
Ach, was nuͤtzet das Sehnen, was eitele Wuͤnſche der Menſchen? Ungewiſſes Geſchick! Jeden ereilet der Tod! Reichthum, Tugend und Macht verſinken im Strome der Zeiten; Scepter und blinkendes Gold, Alles verſchlinget die Gruft. Wegrafft Ruf des Geſchicks und führt zu dem dunkelen Grabe, Was nur Sterbliches lebt in dem unendlichen All. So, als uͤber den Taunus die Kuͤnderinn Fama geſchritten, Und mit duͤſterem Flug ſchwaͤrzte des Aethers Gewoͤlk; Toͤneten Klagen umher durch Naſſau's gluͤckliche Fluren, Und aus jeglichem Aug' perleten Thraͤnen des Grams. Maͤchtig ergriff der Schmerz, der gewalt'ge, die Herzen der Buͤrger; Denn der Liebling des Volks, Wilhelm der Theure, erblich. Seufzend ſchicket Gebete zum Aether das Vaterland aufwaͤrts, Traurig gedenkend Sein, Den es als Vater geliebt. Alles bluͤhete uns bei ſolchem Fuͤhrer und Lenker, Sonderlich euerer Hain, ſinnige Muſen der Lahn. Wann, o gütiger Fuͤrſt, Dein Antlitz ſtrahlte dem Volke, Glaͤnzender ſchien ihm die Sonn', heiterer eilte der Tag. Darum rufet verwaiſet das Volk und ringet die Haͤnde: „Alſo ſcheideſt Du ſchon, theuerſter Herzog, von uns? „Sankſt ſchon hin, o Zierde des Lands, o geprieſener Fuhrer? Folgſt unrettbar dem Tod', ach! und ſo frühe fuͤr uns?“ Aber es ruft ein Ziel uns all' in geſchloſſener Reihe; Grau'nhaft iſt, doch zumal Allen eroͤffnet, der Weg. Denn gleich klopfet der Tod an der Koͤnige hohe Palaͤſte, Wie an die Huͤtte, die ſchwach ſchuͤtzet das niedrige Dach. Biſt du gegangen dahin, wo Tullus der reiche und Ancus, Werden die Ruͤckkehr dir nimmer die Parzen verleihn. Doch, was Du, Wilhelm, gethan, wird nimmer entraffen der Zeit Lauf; Tod uͤbt keine Gewalt uͤber den ſchaffenden Geiſt.— Mehreres hemmet der Schmerz. Heil Dir, preißwuͤrdiger Herzog! Leb', o theuerſter Fuͤrſt, unter den Schlummernden wohl! Doch, du Herrſcher des Alls, der du Freuden des hoheren Lebens Reichſt, und Wohnungen haſt droben im ſeligen Reich: Gieb dem geſchiedenen Geiſte bei Dir nun himmliſche Ruhe, Und in der Erde Schooß Kuͤhlung dem muden Gebein!


