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15. Nicht hat erhoͤrt der Himmel das Gebet: 16. Drum ſteht des Vaterlandes Genius „Laß ſpaͤt, o Herr, den Trauertag erſcheinen, In tiefer Trauer an dem Sarkophage; An dem das Vaterland verlaſſen ſteht, Dem Schmerze zollt er ſeinen Thraͤnenfluß,
Und Naſſau's Buͤrger um den Furſten weinen!“*) Und ſchickt zum Himmel weinend ſeine Klage.
17. Drum ſingt, den Freudeklaͤngen abgewandt, Das Lied ſo truͤben Tones in die Leier;
Es trauert heute mit dem Vaterland, Und ladet ein zur ſtillen Thraͤnenfeier.
C.
Lateiniſche Traner⸗Ode, mit deutſcher metriſcher Ueberſetzung, verfaßt von
dem Primaner Wilhelm Lex. Ein Ort vereint uns Alle; und Aller Loos
Omnes codem cogimur; omnium
Versatur urna scrius ocius Bewegt die Urne; früher, bald ſpaͤter wird Sors exitura. Ilorat. Es fallen. Horatius. Mitte, gaudentes dare, Musa, cantus, Laß, o Muſe, heute die heitren Weiſen! Displicent voces hodie serenae; Frohes Lied mißfaͤllt an dem Tag der Klage; Nunc ames nigris caput impedire Schmerzgebeugt verhuͤlle mit tiefer Trauer Squalida velis. Jetzo das Haupt dir. Luctui desunt mea verba tanto. Ach, ſo großem Leide verſagt die Rede! Abstulit nobis cita mors Wilhelmum, Ihn, den Fuͤrſten Wilhelm, den Theuren, raubt' uns Abstulit patrem patriae decusque Fruͤher Tod; dem Lande den Vater raubt' er, Nassoicorum. Raubte den Schmuck uns. En, rubent omnes lacrymis ocelli! Sieh, es roͤthen Thraͤnen die Augen Aller; En, gemunt omnes socio dolore Sieh', es klagen Alle vereint in Schmerze Te ducem, et palmis feriunt querentes Dich, den Fuͤrſten, jammernd die Bruſt mit treuen Pectora fidis. Haͤnden ſich ſchlagend.
*) Mit dieſen Worten ſchloß der Vf. im J. 1833 ſein Gedicht zur Feier des Geburtstages des Höchſtſeligen, welches abgedruckt ſtehet in der„Gedächtsnißrede zur Jahresfeier der Stiftung des Herz. Naſſ. Landes⸗Gymnaſtums im J. 1833, gehalten von F. T. Friedemann.“(Weilb. b. Lanz) S. 28. ff.


