B.
Deutſches Trauer⸗Gedicht, verfaßt von dem Candidaten der Philologie, Auguſt Spieß, in Weilburg.
1. Nicht immer toͤnt das Lied wie rüßingsgruſh 2. Wie ſollt' es, Freudentoͤnen abgewandt,
Und ſenkt ſich heitern Klanges in die Herzen; Nicht düſter heut' ergießen ſeine Klagen, Es ladet heute trauernd zum Erguß Da doch des Todesengels kalte Hand Der Wehmuth ein und thraͤnenreicher Schmerzen. Den Trauerflor um's Vaterland geſchlagen? 3. Ihr hoͤrtet nah ſo ahnungsvoll und bang 4. Ihr ſaht den Zug, ein ſchweigſam duͤſtres Bild— Vom Thurm die Glockentoͤne niederſchuͤttern; Er nahet ſich in trauerndem Gepraͤnge, Ihr hoͤrtet donnernd des Geſchuͤtzes Klang Und aus den Augen ungehemmt entquillt Ringsum das enge Felſenthal durchzittern. Der Thraͤnenſtrom der tiefbewegten Menge. 5. Ihr ſaht der Ahnen dunkle Gruft erhellt, 6. In tiefer Trauer ſteht der Genius Daß, bei des Volkes klagendem Geſange, Des Vaterlandes an dem Sarkophage; Im Sarge, als das Opfer dieſer Welt, Dem Schmerze zollt er ſeinen Thraͤnenfluß, Des Fuͤrſten theure Reſte ſie empfange. Und ſchickt zum Himmel weinend ſeine Klage. 7. In heitrem Frieden lag das Vaterland; 8. Die Bergesgipfel toͤnten vom Geſang; Der Segen Gottes ſank auf reiche Felderz In tiefem Thale ſchallten frohe Lieder; Es zog der Strom ſein leuchtend Silberband An gruͤnen Ufern gaben froh den Klang Durch goldne Fluren und belebte Waͤlder. Des Erndereigens hohe Felſen wieder. 9. Und laͤchelnd ſah der Fuͤrſt mit mildem Bl, 10.„Der Naſſau's treue Buͤrger hoch begluͤckt, 3 freudig wogte dieſes friſche Leben; Ihn,“ fleht' der Jungling,„ſchuͤtze, Gott, vor Allen; Und jauchzend prieß das treue Volk das Gluͤck, Von thraͤnenvollem Kummer nie gedruͤckt,
Daß Wilhelm ihm zum Herrſcher ward gegeben. Laß Ihn auf Roſen durch das Leben wallen!“
11. Da fuhr der Sturm ſo plötzlich durch die Gau'n, 12. Der Himmel iſt getruͤbt. Der laute Sturm Gewitterwolken duͤſter vor ſich jagend, Hat fortgeweht der Freude Segenslieder;
Die gruͤnen Haine und die goldnen Au'n, Er ruhrt die Todtenglocken in dem Thurm, Den klaren Strom mit ſeinen Schwingen ſchlagend. Und jede Schwingung hallt im Herzen wieder.
13. Sie rufen klagend:„Weine, Vaterland! 14. Verklungen ſind die frommen Wünſche all', Gebettet auf des Todes Schlummerkiſſen, Die laut fuͤr Ihn ſich auf zum Himmel ſchwangen, Ruht Er, den freudig Vater du genannt, Die Lebehoch beim frohen Feiermahl,
Der ach! zu fruͤh, zu fruͤh dir ward entriſſen.“ Die feſtlich jungſt aus tauſend Kehlen drangen.


