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Die ästhetischen Hauptlehren von Rutgers Marshall / von Georg Laufersweiler
Entstehung
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der Wirkung der Mannigfaltigkeit, des Kontrastes und des Rhythmus.

Beim Rhythmus wird die Aufmerksamkeit von ein und demselben Feld so lange abgelenkt, bis dem Organ, das die Reize gerade vermittelt, wieder soviel Energie zugeführt ist, dass die Reize von neuem mit Lust aufgenommen werden können. Da aber die Energiezufuhr im menschlichen Organis­mus genau geregelt ist, so können diese Reize regelmässig wiederkehren.

Bei der Mannigfaltigkeit gleitet der Brennpunkt der Aufmerksamkeit über ein Feld hinweg auf immer neue, ohne den Augenblick abzuwarten, wo er wieder wie beim Rhythmus auf das erste zurückkehren kann. In ähnlicher Weise konzentriert sich auch beim Kontrast (vergl. S. 33 oben) das Interesse von einem zum anderen Reiz.

C. Die Kedeutung der ästhetischen Prinzipien in der Geschichte der Kunst und für die Kunst überhaupt.

Blicken wir zurück in das Gebiet der kunstgescliicht- lichen Vergangenheit, um zu sehen, welche Bedeutung diesen Prinzipien dort zukommt, so wird es nicht schwer sein, zu erkennen, dass das Prinzip von der Ausschliessung des Hässlichen die grösste Rolle gespielt hat. Bei den Griechen hat eine Generation nach der anderen sich bemüht, die hässlich wirkenden Elemente aus ihren Kunstwerken auszu­scheiden, sodass sie, als sie den Schauplatz der Geschichte verliessen, ihre Kunst bis zu einer Höhe entwickelt hatten, wie sie für spätere Künstler nur schwer zu erreichen war. Die Gothik ist nicht soweit gekommen, aber immerhin sind die Zeichen ihres unter gleichen Prinzipien aufwärts stre­benden Weges zu erkennen. Bei den Aegyptern hat es das Material, dessen Dauerhaftigkeit sich bis heute bewährt hat, verhindert, dass sich ihre Kunst so frei wie die griechische entwickeln konnte. Auch anderwärts ist ein Fortschreiten unter obigen Gesichtspunkten bemerkbar.