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Die ästhetischen Hauptlehren von Rutgers Marshall / von Georg Laufersweiler
Entstehung
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Es ist ganz natürlich, dass die positiven Prinzipien, auch wenn sie für den Theoretiker mit den negativen auf gleicher Stufe stehen, für die Kunst bei weitem nicht so bedeutsam sind oder sein können. Wenn es der Ästhetik einerseits gelingt, durch den Hinweis auf die aus der ge­schichtlichen Erfahrung gewonnenen negativen Prinzipien den Künstler vom falschen Wege abzuhalten, so darf sie auf der anderen Seite sich doch nicht das Kecht anmassen, durch Aufstellen positiver Prinzipien ihm auch die Ziele zu stecken, nach denen sich seine Kunst zu richten hätte. Sollen positive Prinzipien überhaupt für den Künstler in Betracht kommen, dann können sie es genau genommen auch nur, wenn sie in negativer Fassung ausgesprochen werden. Nicht von Vorschriften wird es abhängen, welche Richtung der Künstler einzuschlagen hat, sondern von der Kraft, mit welcher der Kunstinstinkt in ihm wirksam ist; nur sie kann die Zielpunkte für sein Scharfen liefern. Und in diesem Sinn allein wollen die ästhetischen Prinzipien Marshalls zu den Künstler reden.