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Hemmungen von Tätigkeiten zu tun Laben, die, wie wir sahen, beim Erscheinen lustvoll sind. Genau so verhält es sich mit allen weiteren Forderungen, die M. vom selben Gesichtspunkt aufstellt und die ebenfalls nur in negativer Fassung ihre Berechtigung gewinnen können: Vermeide das Unharmonische, das Regellose, das Nutzlose, das Unpassende, das Unzweckmässige, das, was in der Architektur dem Ausdruck der Ruhe und bei der Darstellung des Organischen dem des Lebendigen widerspricht.
Alle diese Postulate, die man anderwärts nicht selten in streng positiver Fassung ausgesprochen findet, erfahren somit bei Marshall eine negative Wendung, und das beruht auf einer klaren Auffassung und richtigen Würdigung der künstlerischen Tätigkeit. Tatsächlich erscheint ein Überschreiten der Naturwahrheit etc. erst dann als Fehler, wenn es schockierend wirkt. Und selbst dies verdient, wie sich oben zeigte, nicht gleich eine abfällige Kritik. Nur durch diese negative Fassung wird der Kunst die zu ihrer Entfaltung nötige Freiheit verbürgt.
2. Positive Prinzipien.
Von den beiden Klassen lustvoller Erregungen sind diejenigen, welche mit der Ruhe nach dem Aufhören oder der Unterdrückung einer starken und daher unlustvollen Tätigkeit verbunden sind für die Ästhetik von geringer Bedeutung, und zwar deshalb, weil sie eben (vgl. S. 30) von vorausgehender Unlust abhängen. Ohne besonderen Grund wird sie daher der Künster nicht anwenden. Sie sind nicht selten bei „Künsten der Sukzession", so besonders in der Musik, wo kräftige Stellen der Melodie mit leicht dahinfliessenden Weisen wechseln. Dagegen kommt der Lust an kräftiger Betätigung eines durch längere Ruhe mit Energie gesättigten Organs bei der ästhetischen Produktion eine günstigere Stellung zu 1 ). Sie kommt in dem für die
1) Dieses Prinzip gewinnt eine erhöhte Bedeutung, wenn man an K. Langes „Ergänzungstheorie" denkt.


