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Die ästhetischen Hauptlehren von Rutgers Marshall / von Georg Laufersweiler
Entstehung
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uns vertrauten Weise verbunden wieder herauszufinden. Ks ergibt sich also für den Künstler die Forderung, alles zu vermeiden, was schockierend wirken könnte. Um ihm jedoch den für die Entfaltung seiner Tätigkeit nötigen Spielraum zu lassen und angesichts der Tatsache, dass unter Umständen das von einer allgemein anerkannten Eegel abweichende be­sonderen Reiz gewährt, darf man ihm nun nicht zumuten, die Natur, die unsere Lehrmeisterin gewesen, oder die Produkte, an denen sich unsere ästhetischen Normen heraus­gebildet, durchweg nachzuahmen l ). Man hat oft das Prinzip der Nachahmung als Kunstprinzip aufgestellt (z. B. Aristoteles). M. verlangt nur, radikale Abweichungen von der Natur seien zu unterlassen und das zu vermeiden, was zu schockierend wirken könnte 2 ); denn die Befriedigung des Begehrens, die Erfüllung der Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen ist normalerweise Instvoll, weil wir es dabei mit künstlichen

1) Wollton die Künstler stets ängstlich das Schockierende ver­meiden und bei ihren Produktionen dem ausweichen, was zukünftigen Er­folg und Beifall nicht vorbürgt, weil es keine Konzessionen an den Ge­schmack der Allgemeinheit enthält, so würde der Kunst jede Entwicklungs- möglichkeit genommen. Wir wissen aber, (Marshall deutet in der Frage nach dem ästhetischen Urteil da, wo er von dem individuellen ästetischen Standpunkt und demIdeal Ficld of Beauty spricht, vgl. S. 24, auch darauf hin,) dass gerade die grössten Künstler fast immer zuerst schockierend wirken und dass sie dann lebenslang unter den Angriffen besonders derer zu leiden haben, die sich mit dem Neuen nicht versöhnen und abfinden können.

2) Eine besondere Kritik erfahrt von diesem Gesichtspunkt H. Spencer von Marshall, weil er Stil, Anmut und Harmonie in solch positiven Kunst­prinzipien forderte. So meint Spencer, alles, was den Stempel des Zweck­mässigen an sich trage, sei auch anmutig. M. bestreitet nicht, dass An­mut überall eine gewisse Zweckmässigkeit voraussetze, aber nur deshalb, weil das Nichtzweckmässige dein Anmutigen widersprechen und es in seiner Wirkung aufheben könne. Sollte die Erfüllung einer solchen Forderung zum Erreichen des Anmutigen genügen, dann könnte man ja eine zweckmässig eingerichtete Masohino auch als anmutig bezeichnen. Wie Emerson, so hat Spencer weiter das Nützliche demSchönen" ko­ordiniert. M. zeigt, dass das auf dein gleichen Irrtum beruht, insofern als nicht das Nützliche an sich, sondern nur die Ausschaltung der nach­teiligen Wirkung des Nutz- und Zwecklosen eine gewisse Garantie für dis Schöne bieten. (Vgl. I, 315 f und II, 139 f).