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zu empfinden, macht nach M. das Wesen alles Ästhetischen aus.
Weiterhin wird von liier aus klar, warum M. die Ableitung des Kunstinstinkts vom Spielinstinkt nicht anerkennen kann. Sowohl Schiller als Kant fühlten, dass der Spieltrieb gewisserraassen weiter sei als der Kunsttrieb und leiteten den letzteren vom erstercn ab, weil beide ohne bestimmten Zweck erschienen und keine menschlichen Interessen mit unterliefen. Nun hält M. aber das Spiel für eine jener spontanen Tätigkeiten, welche keinem besonderen Zweck, sondern nur dem Verbrauch aufgespeicherter Energie dienen. Er würde also keine Unterscheidung von den angeführten Instinkten erhalten, die ja alle als solche Spielinstinkte zu betrachten und ihres Zweckes unbewusst auf ein und derselben Basis entstanden sind und zwar in dem Augenblick, wo es den menschlichen Individuen im vorteilhaften Gegensatz zu den tierischen Wesen gelang, überschüssige Energie aufzuspeichern, die nicht mehr im Kampf mit der Umgebung verbraucht werden musste.
Welches sind nun die Mittel, die sich dem Künstler bieten bei der Befolgung des Triebes, anderen ästhetische Genüsse zu gewähren?
lt. ]>ie Prinzipien der ästhetischen Produktion.
Wir wissen aus Früherem, dass die künstlerische Wirksamkeit darauf hinausgehen inuss, in ihren Produktionen dauernd Vergnügen zu bereiten. Um aber dafür die Möglichkeit zu gewinnen, muss vor allem das beseitigt werden, was dauernd Unlust schafft, also nach M. hässlich wirkt, sodann das, was mit Indifferenz verbunden ist, wenigstens insofern, als die Gefahr besteht, dass die indifferenten Elemente die lustvollen durch ihre Anzahl überwältigen. Hiernach sind die gesuchten Mittel für die Kunst teils von positivem, teils von negativem Wert. Von den Prinzipien, die Marshall im Hinblick auf das Schema lust- und unlust- vollcr Tätigkeiten aufstellt, sind die negativen für sein System am eigenartigsten.


