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werden? Die Erfahrung zeigt das jedenfalls nicht. Gewisse Empfindungen stehen zwar mit Emotionen in Verbindnng — tiefe Töne z. B. lösen gewöhnlich eine traurige Stimmung aus — aber das lässt sich wohl auf Grund von Assoziationen erklären, die solche Objekte mehr oder weniger deutlich hervortreten lassen, welche früher einmal die Emotionen hervorriefen. Was unter normalen Bedingungen den typischen Emotionen vorausgeht, ist immer die Wahrnehmung bestimmter Objekte und gerade dies ist für Lust und Unlust nichts weniger als wesentlich
Ferner gehen die typischen Emotionen nicht in einander über wie Lust und Unlust, sobald eine Empfindung ihre Intensität ändert oder längere Zeit anhält. Die Erfahrung zeigt auch, dass keine Emotion die Veranlassung zum Erscheinen einer anderen gibt wie Lust zum Erscheinen von Unlust und umgekehrt.
Bouillier („Du plaisir et de la douleur") hält Lust und Unlust für Elemente, die auf höherer Entwicklungsstufe zu ausgeprägten Emotionen werden. Auf der höchsten Stufe sei die Liebe zum Leben die höchste Lust und die Furcht vor dem Tode der grösste Schmerz. Doch sprechen nicht allein die pessimistische Weltanschauung und der Selbstmord gegen eine solche universelle Auffassung von Liebe und Furcht, sondern auch die Versuche, andere Emotionen als Liebe und Furcht auf gleiche Art abzuleiten.
Wenn fernerhin die sogenannten Emotionen nichts anderes sein sollen als in der Erinnerung vorgestellte Gefühle (Gefühlsvorstellungen) 2 ), dann müssten die Vorstellungen unserer früheren Gefühle wieder Emotionen hervorbringen, was nicht der Fall ist. Der Hungrige mag, soviel er will, an das Vergnügen denken, das das Essen ihm bereitete, ohne die Freude zu empfinden, die sofort mit dem Anblick der Nahrung entsteht.
1) Marshalls Bemerkungen können vielfach an Stumpfs Ansicht erinnern, wonach zur Emotion stets die Beziehung auf ein Ohjekt gehört, was z. B. heim sinnlichen Schmerz nicht wesentlich ist.
2) „Complexcs of pleasurc and pain in representation", vgl. I, S, 94 oder „representative pleasures and pains," vgl., I, S. 95,


