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Zentrum für ihre Tätigkeit nachzuweisen, wie es für die Sinnesempfindungen möglich war.
Lust und Unlust zeigen Merkmale, welche bei den allgemein anerkannten Sinnesempfindungen nicht vorkommen. Jede typische Sinnesempfindung wird auf eine ihr eigentümliche Art erzeugt und zum Bewusstsein gebracht. Keine wird durch ein solches Zusammenwirken psychischer Vorgänge hervorgerufen wie Lust und Unlust.
Die typischen Sinnesempfindungen gehen bei anhaltendem Reiz nicht in einander über wie Lust und Unlust. Eine Druckempfindung bleibt normalerweise, was sie ist, und ein Ton schlägt nicht in eine Gcsichtsempfindung um. Die Verschiedenheit der Sinnesempfindungen scheint von der Verschiedenheit der Eindrücke unserer Umgebung abzuhängen, was man inbezug auf Lust und Unlust nicht behaupten kann.
Die Theorie, dass Lust und Unlust Sinnesempfindungen seien, nötigt zur Annahme von Erinnerungsbildern genau wie bei den Sinnesempfindungen. Von solchen kann man aber ebensowenig sprechen wie von Erinnerungsbildern der I ntensität eines Eindrucks, und ebensowenig können Lust und Unlust getrennt von ihrem Inhalt erlebt werden J).
Warum kann man Lust und Unlust nicht zu den Emotionen zählen-)?
Man hat beobachtet, dass Lust und Unlust besonders eng mit Emotionen verbunden sind, ja dass diese Verbindung noch viel enger ist als die mit den Empfindungen. Dennoch sprechen die stärksten Gründe für eine prinzipielle Unterscheidung der beiden Begriffe. Wo wären die Gefühlsqualitäten der Empfindungen unterzubringen, wenn Lust und Unlust als etwas rein Emotionales aufgefasst werden? Oder soll man etwa annehmen, dass die lust- oder unlustgefärbten Emotionen indirekt durch Empfindungen hervorgebracht
1) Auch diese Ansicht inuss nach dem, was Stumpf sagt, als irrig betrachtet werden. Uehcr Gcdächtnisbilder von Lust- und Unlustempfindungen und von Hautreizen und Tätigkeiten der vegetativen Organe vgl. Stumpf S. 23, über Gedächtnisbilder von den übrigen sinnlichen Gefühlen S. 31 ff.
2) Vgl. I, S. 32 ff., 90 ff.


