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Leibniz die Musik als ein Zählen, das jedoch als solches nicht bewusst werde, und auch Kant liess die Musik unter den schönen Künsten nur darum gelten, weil zwischen harmonischen Tönen ein mathematischer Zusammenhang bestehe, der wohl anderwärts bemerkbar sei, aber in der ästhetischen Wirkung der Musik unbewusst erfasst werde.
Marshall nimmt an, dass bei jedem ästhetischen Eindruck alle Elemente des geistigen Lebens in Tätigkeit sind, gleichviel ob sie zum Gebiet der Sinneswahrnehmung oder zu dem des Gefühls oder des Verstandes oder des Wollens zählen, dass aber alle diese Elemente mit einer gemeinsamen subjektiven Qualität gefärbt sind, nämlich mit Lust (pleasure): ,.the field of aesthetics is always hedonic" ! ). M. erklärt die Ästhetik als einen Zweig der Wissenschaft des Hedonischen, indem er nachzuweisen versucht, dass die Lust die für den ästhetischen Eindruck charakteristische Qualität 2 ) sei.
Ehe wir uns nun nach der besonderen Eigenart der ästhetischen Lust fragen, wollen wir hier Marshalls all- gemeine Theorie der Lust-Unlust zur Darstellung bringen, wie er sie in seinem Hauptwerk entwickelt hat.
It. Marshalls Theorie des Algedonischen.
1. Die Klassifikation von Lust und Unlust.
M. stellt fest: Lust und Unlust sind Qualitäten, wovon jede im geeigneten Falle zu einem beliebigen Element des Bewusstseins gehören kann und wovon immer eine zu jedem Element gehören muss 3 ).
Dieser Charakter von Lust und Unlust ist oft bestritten worden. Vielfach sind beide zu den Sinncscmpfindungen oder zu den Emotionen gerechnet worden, oder man hat sie
1) I, S. 122.
2) Plcasurc-pain modos are „quales" of all mental states," I, S. 45. ii) „qnalitics, one of whicli must, and any of whisch roay, belong,
to any dement of consciousness," I, S, 45 ff, and II, S. 39, 43,


